Regierungsberater: Bei Corona-Hilfen nicht nur Männerberufe beachten

BERLIN (dpa-AFX) - In der Corona-Krise haben Berater die Bundesregierung ermahnt, bei Hilfsmaßnahmen Männer nicht zu bevorzugen. Die Krise sei "eingebettet in soziale Ungleichheitsstrukturen", Frauen insgesamt stärker betroffen als Männer, heißt es in einem Papier des Rats für Nachhaltige Entwicklung, den die Mitglieder nach eigenen Angaben am Montagabend Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) vorgestellt haben. Hilfen dürften daher "nicht nur Männerberufe, z.B. in der Industrie, in den Fokus nehmen", sondern müssten Beschäftigungsverhältnisse von Frauen gleichermaßen berücksichtigen. Gesundheits- und Pflegeberufe sollten aufgewertet und fair entlohnt werden.

Das Papier "Raus aus der Corona-Krise im Zeichen der Nachhaltigkeit" empfiehlt, sicherzustellen, dass auch Kinder und Jugendliche aus ärmeren und bildungsfernen Familien an der digitaler Bildung teilnehmen können. Der 15-köpfige Rat warnt vor dem "Kardinalfehler", wegen der Krise Klimaschutz- und Umweltziele aufzuweichen oder zu verschieben. Unternehmen, denen der Staat mit Steuergeld helfe, sollten demnach verpflichtet werden, "Nachhaltigkeitskriterien bei der Mittelverwendung und in der Entwicklung ihrer Unternehmen zu beachten und anschließend darüber zu berichten". Dazu gehöre auch "eine Selbstbeschränkung bei Dividenden und Boni".

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) wurde erstmals 2001 von der Bundesregierung berufen. Ihm gehören 15 Personen des öffentlichen Lebens an, Vorsitzender ist der ehemalige Staatsminister und frühere Chef des Industrieverbands BDI, Werner Schnappauf.