Regierung in Venezuela wirft Oppositionsführer Umsturzversuch vor

Leopoldo López nach der Freilassung aus dem Gefängnis

Die Regierung von Venezuela hat Oppositionsführer Leopoldo López Beteiligung an einem Umsturzversuch vorgeworfen. Der nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis seit Juli in Hausarrest sitzende López sei in ein Komplott verstrickt, mit dem der sozialistische Präsident Nicolas Maduro gestürzt werden sollte, erklärte Vizepräsident Tareck El Aissami am Dienstag (Ortszeit) in Caracas.

Ebenfalls beteiligt sei der frühere Polizist Oscar Pérez, der angeblich im Juni von einem Hubschrauber aus Granaten auf den Sitz des Obersten Gerichtshofs abfeuerte. Laut Vizepräsident El Aissami nahmen die Behörden den "Ausführenden" des geplanten Komplotts fest. Dieser sei Mitglied in López' Partei Voluntad Popular und sei im Besitz von Sprengsätzen gewesen.

Der Mann habe mit Anschlägen die Stromversorgung in mehreren Landesteilen sabotieren sollen, sagte der Vizepräsident. Zudem seien "Störungen im Bankverkehr, in der Wasser- und Treibstoffversorgung" geplant gewesen, erklärte El Aissami im Fernsehen. Der Festgenommene habe mit Oppositionsführer López per SMS und Telefon kommuniziert, um die Anschläge und den Sturz der Regierung zu planen.

López war im Juli nach mehr als drei Jahren im Gefängnis in den Hausarrest entlassen worden. 2014 war er wegen des Vorwurfs der Anstachelung zur Gewalt bei regierungskritischen Protesten zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Vizepräsident El Aissami ließ zum Beleg für seine Vorwürfe ein Video zeigen, in dem der Festgenommene Manuel Chacin sagt, sein Auftrag sei es gewesen, Geldautomaten lahmzulegen, Tankstellen zu sabotieren und so eine "gesellschaftliche Explosion" zu provozieren.

López' Partei Voluntad Popular dementierte eine Mitgliedschaft des Festgenommenen. López habe auch keinen Kontakt zu dem Mann gehabt, der vermutlich gefoltert worden sei, um ein falsches Geständnis abzulegen, "wie so viele andere Opfer und Gefangene der Diktatur", erklärte die Partei.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen der linksnationalistischen Regierung Maduros und der Mitte-rechts-Opposition. Seit Anfang April wurden fast 130 Menschen bei Unruhen getötet, nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden mehr als 5000 Menschen festgenommen.