Regeln veröffentlicht: So will die FIA ein neues "Copygate" verhindern

Stefan Ehlen
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Der "rosa Mercedes" von Racing Point hat als "Copygate" für Schlagzeilen gesorgt. Nun legt der Automobil-Weltverband (FIA) nach: Um zu verhindern, dass künftig erneut Autos oder deren Teile 1:1 nachgebaut werden, hat man detaillierte Regeln erlassen, die ab sofort verbindlich gelten.

Demnach ist es den Formel-1-Teams künftig nicht mehr erlaubt, Aufnahmen der Fahrzeuge mit Software zu bearbeiten, um daraus digitale Daten über die Autos abzuleiten.

3D-Scanner oder ähnliche Gerätschaften sind nun ebenfalls verboten, gleiches gilt für Oberflächen-Scanner oder Projektionen. Untersagt ist auch der Austausch von intellektuellem Eigentum.

Tombazis erklärt denn Sinn der neuen Regeln

Nikolas Tombazis als Leiter der FIA-Formelsport-Kommission hatte solche Maßnahmen bereits angekündigt: "Das wird die Teams davon abhalten, sich Fotos zunutze zu machen, um große Bereiche anderer Autos zu kopieren, so wie das Racing Point getan hat."

"Wir akzeptieren weiterhin, dass individuelle Komponenten in einzelnen Bereichen kopiert werden. Was wir aber nicht wollen, ist, dass ein Auto praktisch die 1:1-Kopie eines anderen Fahrzeugs darstellt."

In den neuen Regeln ist dazu zu lesen: "Ein Design darf von einem Design oder einem Konzept eines Wettbewerbers beeinflusst werden. Hierzu dürfen aber nur Informationen verwendet werden, die potenziell allen Wettbewerbern zur Verfügung stehen."

FIA behält sich Überprüfungen vor

Im Zweifelsfall behält sich der Weltverband vor, eine Untersuchung einzuleiten, sollten verdächtige Ähnlichkeiten an gelisteten Teilen auftreten. Dann sind die Teams gefragt, nachzuweisen, dass sie unabhängig auf ihr Design gekommen sind.

Dazu wieder ein Regel-Auszug: "Es ist die Rolle der FIA, festzustellen, ob die Ähnlichkeit auf Rückwärtsentwicklung (Englisch: Reverse-Engineering) zurückgeht, oder ob eine legitime Eigenentwicklung erfolgt ist."

Den Fall Racing Point betrifft all das aber nicht mehr. Denn: Die neuen Regeln setzen erst nach dem Saisonstart 2020 an. Alles, was im ersten Rennen des Jahres und davor eingesetzt wurde, wird demnach als legal eingestuft. Und der Racing Point RP20 darf in seiner jetzigen Form nicht nur 2020 fahren, sondern auch 2021.

Im Zuge eines Protests durch Renault war Racing Point beim RP20 ein Regelverstoß nachgewiesen worden. Das Team wurde für schuldig befunden, bei den hinteren Bremsschächten auf ein Mercedes-Design gesetzt zu haben. Es folgte eine Geldstrafe in Höhe von 400.000 Euro, außerdem der Verlust von 15 Punkten in der Formel-1-Konstrukteurswertung 2020.

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.