Reform der Leichtathletik-Rekorde wird offenbar abgeschwächt

SID
Reform der Leichtathletik-Rekorde wird offenbar abgeschwächt

Eine mögliche Reform der Leichtathletik-Rekordlisten wird nach dem heftigen Widerstand einiger Athleten offenbar weniger radikal ausfallen als ursprünglich geplant. Das stellte Svein Arne Hansen, Präsident des europäischen Verbandes EAA, in London in Aussicht. 
"Wir haben im Vorfeld zu wenig Rücksprache gehalten", sagte Hansen dem Branchendienst insidethegames.com und erklärte, man müsse auf Kritik von Sportlern wie Dreisprung-Weltrekordler Jonathan Edwards und Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe (beide Großbritannien) hören.
Hansen erklärte zudem, dass womöglich nur vor 1991 aufgestellte Rekorde von der Reform betroffen sein könnten. Zu diesem Zeitpunkt wurden weltweite Dopingkontrollen im Training eingeführt. "Dies wird einer meiner Vorschläge zu einer neuen Empfehlung sein", sagte Hansen. Zunächst war im Gespräch, alle vor 2005 aufgestellten Rekorde zu reformieren.
Das Council der EAA hatte sich Anfang Mai aufgrund der Vielzahl an dopingverdächtigen Bestleistungen für eine neue Rekordliste auf europäischer Ebene ausgesprochen. Ein entsprechender Plan soll beim derzeit stattfindenden Kongress des Weltverbandes IAAF in London diskutiert werden, eventuell könnte er dann auch auf Weltrekordlisten angewendet werden. IAAF-Präsident Sebastian Coe hat bereits Sympathie für eine Änderung der Rekordlisten ausgedrückt.
Nach dem Bekanntwerden der Pläne hatten viele Athleten ihr Missfallen ausgedrückt. Darunter Edwards und Radcliffe, aber auch Hallen-Europarekordler Sebastian Bayer (Hamburg). Weitsprung-Weltrekordler Mike Powell hatte angekündigt, juristisch gegen eine solche Änderung vorzugehen.   
Nach dem Willen der EAA sollen die bisherigen Bestleistungen in eine Art historische Liste überführt werden, aber nicht mehr als aktuelle Rekorde gelten. Hintergrund ist, dass laut EAA viele Bestleistungen unter Dopingverdacht stehen und die Vergleichbarkeit mit heutigen Leistungen nicht gegeben sei.
Zudem sollen neue Kriterien gelten, damit ein Rekord in Zukunft anerkannt wird. Unter anderem muss der Athlet im Vorfeld eine Mindestanzahl von Trainingskontrollen absolviert haben, die Dopingproben beim entsprechenden Wettbewerb müssen zehn Jahre für Nachtests eingefroren werden.