Referee: Videobeweis nicht ausreichend getestet

Hellmut Krug ist Schiedsrichtermanager im DFB

Im Streit um Vetternwirtschaft und Machtmissbrauch im deutschen Schiedsrichterwesen legt jetzt ein Referee im WDR nach - und bestätigt damit die Aussagen von Babak Rafati bei SPORT1.

"Hellmut Krug hat ganz klar seine Lieblinge, über die er immer die schützende Hand hält. Seine Bewertungen von Fehlern sind oftmals personenabhängig", sagte der Schiedsrichter, der anonym bleiben will.

Das Leistungsprinzip sei demnach außer Kraft gesetzt worden.

Genau darüber spricht auch der frühere FIFA-Schiedsrichter Urs Meier bei SPORT1. "Das wäre ein Skandal. Es kann in Einzelfällen vorkommen, dass ein Beobachter in seiner Analyse nicht sauber gearbeitet hat und das Ergebnis nachträglich zu Gunsten des Schiedsrichters geändert wird. Aber einen Schiedsrichter nachträglich abzustrafen, um ihn bewusst klein zu halten - das geht überhaupt nicht", so Meier.

Der WDR nennt als Beispiel FIFA-Schiedsrichter Felix Zwayer, der im Zuge des Wettskandals um Robert Hoyzer zwei Monate lang gesperrt worden war.

Videobeweis nicht ausreichend getestet

Während der DFB den Referee förderte, hatte die UEFA offenbar ihre Zweifel an Zwayers Eignung als internationaler Schiedsrichter. "Es gibt genug Schiedsrichter mit den Qualitäten eines Zwayer, die eine makellose sportliche Vergangenheit aufweisen, aber noch nicht international eingesetzt werden", heißt es in einem internen Bericht des euopäischen Fußball-Verbandes im Jahr 2010.

Kritik äußert der anonymisierte Referee auch beim Videobeweis, der - im Gegensatz zu Krugs Ankündigung vor der Saison - nicht ausreichend getestet worden sei.

"Bereits in der Testphase hat die Kommunikation zwischen Video-Schiedsrichter und Schiedsrichter bei Testspielen aufgrund technischer Probleme nicht immer geklappt", so der Schiedsrichter.

Recherchen des WDR ergaben dass statt mit 19 nur mit sechs Kameraeinstellungen getestet wurde. Die technischen Rahmenbedingungen bei fünf parallelen Spielen sollen im Vorfeld nicht getestet worden sein. Und: Die Kommunikation zwischen Referee und Video-Schiedsrichter soll von Außen mitgehört werden können.