Reederverband: Getreideexporte aus Ukraine große Herausforderung

HAMBURG/KOPENHAGEN (dpa-AFX) - Die von den Kriegsparteien Russland und Ukraine vereinbarten ukrainischen Getreideexporte werden die maritime Logistik aus Sicht des internationalen Reederverbandes Bimco vor eine beispiellose Herausforderung stellen. Weil die drei ukrainischen Häfen Odessa, Tschornomorsk und Juschnyj "in den letzten fünf Jahren noch nie eine so große Menge Getreide umgeschlagen haben", könnten sich die geplanten Exporte als Herausforderung erweisen, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes vom Mittwoch in Bagsværd bei Kopenhagen. "Selbst wenn die Hafenlogistik beschleunigt wird, um die Exporte zu beschleunigen, wird die Notwendigkeit, die Schiffe in die Häfen hinein und aus ihnen heraus zu eskortieren, wahrscheinlich zu einer gewissen Überlastung führen", sagte Bimco-Analyst Niels Rasmussen.

Als "ein wesentliches Hindernis für die ukrainischen Getreideexporte" bewertet Bimco-Analyt Rasmussen zudem die hohen Transportrisiken und entsprechend hohe Versicherungsprämien. "Damit die Verschiffung ukrainischen Getreides attraktiv ist, sind hohe Raten erforderlich, um die risikobedingten Kosten zu mindern", sagte er. "Russlands jüngste Raketenangriffe auf Häfen wie Odessa werden die Unsicherheit und Ungewissheit bei Operationen im Schwarzen Meer noch verstärken."

Unter Vermittlung von UN-Generalsekretär António Guterres und der Türkei hatten die Kriegsparteien vor wenigen Tagen eine Vereinbarung über die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine für den Weltmarkt getroffen und getrennt voneinander unterzeichnet. Es war das erste Mal seit dem russischen Einmarsch Ende Februar, dass Kiew und Moskau einen Kompromiss eingingen. Am Mittwoch nahm das vereinbarte zuständige Kontrollzentrum in Istanbul seine Arbeit auf.

Die Ukraine zählt zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt. Wegen des Krieges können noch etwa 20 Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine nicht exportiert werden. Die Nahrungsmittel werden vor allem in Asien und Afrika dringend benötigt. Die Vereinten Nationen warnten zuletzt schon vor der größten Hungerkrise seit Jahrzehnten.

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