Red-Bull-Paradoxon: Je schneller, desto schlechter

Dominik Sharaf

Die Red-Bull-Mannschaft gibt in der Formel-1-Saison 2018 Rätsel auf: Auf temporeichen Strecken, auf denen viele Experten keinen Pfifferling auf sie setzen, foppt sie Mercedes und Ferrari. In ihren vermeintlichen Lieblingsgefilden lässt sie hingegen Federn - so wie im Qualifying zum Großbritannien-Grand-Prix in Silverstone am Samstag, als nicht zusammenlief.

Auf der aerodynamisch anspruchsvollen Bahn, auf der das Team in der Vergangenheit dominierte, waren Max Verstappen und Daniel Ricciardo als Fünfter und Sechster gegen die übrigen Topteams chancenlos. Ihre Rückstände waren mit 0,710 respektive 1,207 Sekunden sogar erdrutschartig. Das, nachdem die Truppe noch am vergangenen Wochenende in Spielberg auf Augenhöhe gewesen war.

Verstappen ist überzeugt, dass der RB14 aerodynamisch weiterhin das Maß der Dinge wäre. Er will die Schmach anders erklären und spielt auf den Renault-Antrieb an: "Wenn man bedenkt, dass uns 70 bis 80 bhp (71 bis 81 PS; Anm. d. Red.) fehlen, ist es klar, dass wir Probleme bekommen." Nur warum nicht auch auf dem viel schnelleren Red-Bull-Ring? Das Schlüsselwort heißt Vollgasanteil.

"Es ist ein großes Problem, wenn man mit Vollgas durch eine Kurve fährt, beschleunigt und der Motor einfach nicht zieht. Man weiß, dass man einfach nicht genügend PS hat", moniert Verstappen. Er behauptet: Das Problem intensiviert sich, wenn durch das Lenken Geschwindigkeit abgebaut wird. Denn das Einschlagen der Räder erzeugt Reibung. Kinetische Energie wird in Wärmeengerie umgewandelt, der Wagen bewegt sich langsamer vorwärts. Es bräuchte zum Ausgleich PS.

Mit seiner Leistung sei er daher "ziemlich zufrieden" und hätte "keinen Grund sich zu beschweren". Die Aussichten für den Rennsonntag sind trotzdem trübe. "Sag niemals nie, aber es wird schwierig", meint Verstappen auf eine Wiederholung seines Erfolges in Spielberg angesprochen. "In Österreich hat mich nach dem Qualifying ein schlechtes Gefühl geplagt. Ich dachte, wir wären nicht schnell genug." In Silverstone jedoch scheint der RB14 am Limit zu sein. Mehr als auf das Gaspedal steigen kann Verstappen nicht.