Rechtsruck bei Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Chile erwartet

Militär in Wahllokal einen Tag vor Abstimmung

In Chile entscheiden die Wähler am Sonntag über einen Nachfolger für Präsidentin Michelle Bachelet und über ein neues Parlament. Letzte Umfragen vor der Wahl deuteten auf einen Rechtsruck hin: Der 67-jährige Geschäftsmann und Milliardär Sebastián Piñera, der bereits von 2010 bis 2014 als Präsident an der Spitze Chiles stand, ging als klarer Favorit für die Nachfolge der Sozialistin Bachelet ins Rennen.

Allerdings dürfte Piñera in der ersten Runde den Umfragen zufolge unter 50 Prozent der Stimmen bleiben und damit in die Stichwahl am 17. Dezember gezwungen werden. Die Wahllokale öffneten am Sonntag um 08.00 Uhr (Ortszeit, 12.00 Uhr MEZ), schließen sollten sie um 18.00 Uhr (22.00 Uhr MEZ). Anderthalb Stunden später dürften erste aussagekräftige Ergebnisse vorliegen.

Neben Piñera wurden dem vom regierenden Mitte-links-Bündnis unterstützten Kandidaten Alejandro Guillier gute Chancen für den Einzug in die Stichwahl vorhergesagt. Der 64-jährige Senator tritt als Unabhängiger an. Insgesamt bewerben sich sechs Männer und zwei Frauen für das höchste Amt im Staat.

Der Milliardär Piñera tritt für das Rechtsbündnis Chile vamos (etwa: Chile vorwärts) an. Im Wahlkampf präsentierte er sich als "Kandidat der Einheit und der Mittelklasse" und ging auf Distanz zur Militärdiktatur von General Augusto Pinochet (1973 bis 1990), der unter Chiles Rechten noch immer viele Bewunderer zählt. Nach den Regierungsjahren der linksgerichteten Bachelet strebt Piñera eine wirtschaftsfreundliche Neuausrichtung von Chiles Politik an.

Dem Kandidaten José Antonio Kas, der sich auf Pinochet beruft, wurden in den Umfragen lediglich vier bis fünf Prozent der Stimmen vorausgesagt. Dieser Stimmenanteil könnte für Piñera in der Stichwahl von Bedeutung sein.

Die Umfragen sahen Piñera im ersten Durchgang zuletzt bei 34,5 Prozent, Guillier bei 15,4 Prozent. Sie rechneten zugleich mit einer niedrigen Wahlbeteiligung von nur etwa 40 Prozent. Bei den jüngsten Kommunalwahlen waren gerade mal 36 Prozent der Stimmberechtigten zu den Urnen gegangen.

Guillier warb für die Fortsetzung der unter Bachelet in ihrer zweiten Amtszeit eingeleiteten gesellschaftspolitischen Reformen in dem konservativ geprägten Land. Die Präsidentin hatte zuletzt unter anderem eine Lockerung des jahrzehntelangen strikten Abtreibungsverbots durchgesetzt und einen Gesetzentwurf zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen vorgelegt.

Die 14,3 Millionen Stimmberechtigten sind außerdem dazu aufgerufen, die Abgeordneten des Unterhauses und die Hälfte der Senatoren neu zu bestimmen.