Rechtskandidat Abdo Benítez gewinnt Präsidentschaftswahl in Paraguay

Mario Abdo Benítez bei der Stimmabgabe

Der rechtsgerichtete Kandidat Mario Abdo Benítez hat die Präsidentschaftswahl in Paraguay knapp gewonnen. "Der Präsident der Republik ist Mario Abdo Benítez", erklärte der Chef der Wahlkommission, Jaime Bestard, nach der Wahl vom Sonntag. Abdo Benítez von der regierenden Colorado-Partei kam demnach auf 46,5 Prozent der Stimmen. Der vom Mitte-links-Bündnis Ganar unterstützte liberale Kandidat Efraín Alegre erzielte 42,7 Prozent.

Ausgezählt waren zunächst 96 Prozent der Stimmen. Das Ergebnis sei "absolut unumkehrbar", hieß es von der Wahlkommission. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 61 Prozent. Die 4,2 Millionen Stimmberechtigten waren auch aufgerufen, den Kongress und die Gouverneure der 17 Regionen neu zu bestimmen.

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl war deutlich knapper als lange Zeit erwartet: In Umfragen hatte Abdo Benítez, von seinen Anhängern Marito genannt, zeitweise bis zu 20 Prozentpunkte vor Alegre gelegen. Zuletzt hatten die Umfragen aber auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hingedeutet.

Das Wahlrecht in dem südamerikanischen Land sieht keine Stichwahl vor. Abdo Benítez wird das Amt im August vom scheidenden Staatschef Horacio Cartes übernehmen.

Der 46-jährige Abdo Benítez ist der Sohn des persönlichen Sekretärs von Ex-Diktator Alfredo Stroessner von der Colorado-Partei, der das Land von 1954 bis 1989 mit eiserner Hand regierte. Der Opposition zufolge ließ der Sohn einer Bayerin und eines Paraguayers 3000 politische Gegner "verschwinden" oder ermorden. Aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen gingen während der Militärherrschaft des Generals mehr als zwei Millionen Paraguayer ins Exil.

Abdo Benítez widmete die ersten Worte seiner Siegesansprache seinem Vater, Stroessners rechter Hand. Vor seinen Fans sagte er, er wolle "an meinen Vater erinnern, der ein großer Colorado war." Die Colorado-Partei ist seit 1947 an der Macht - mit einer Ausnahme: Der linksgerichtete ehemalige Bischof Fernando Lugo wurde 2008 zum Staatschef gewählt. Im Juni 2012 wurde er entmachtet, nachdem der Kongress ihn für den Tod von 17 Menschen bei Ausschreitungen zwischen Polizisten und Bauern verantwortlich machte.

Alegre gestand seine Niederlage ein. An den Wahlsieger gewandt, warnte er zugleich: "Wir sind der Auffassung, dass der Wandel in Paraguay unumkehrbar ist."

Abdo Benítez will die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers und Parteifreundes Cartes im Wesentlichen beibehalten. Er kündigte zugleich der Korruption im Justizwesen den Kampf an. Paraguays Wirtschaftswachstum liegt amtlichen Angaben zufolge stabil bei vier Prozent im Jahresdurchschnitt. Dafür verantwortlich sind vor allem die Agrarexporte. Die Armutsrate beträgt allerdings 26,4 Prozent. Der Kampf gegen die Armut gehört zu den Hauptherausforderungen für Abdo Benítez.

Der scheidende Präsident Cartes räumte am Sonntag ein, dass er eine "soziale Schuld" hinterlasse. Dass es eine derart hohe Armutsquote bei soviel Reichtum gebe, sei eigentlich nicht zu fassen.