Recherchezentrum: 18 antisemitische Vorfälle an Berliner Schulen in 2017

Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) hat für das Jahr 2017 an Schulen in der Hauptstadt 18 antisemitische Vorfälle registriert. Diese reichten von Graffiti an Schultoiletten über Äußerungen von Lehrpersonal bis hin zu verbalen Drohungen und Gewalt gegen Schüler, sagte RIAS-Projektleiter Benjamin Steinitz am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Für das Vorjahr zählte RIAS sieben Vorfälle.

Steinitz geht jedoch nicht davon aus, dass die Statistiken vollständig sind. "Mein Eindruck ist, dass wir es mit einer großen Dunkelziffer zu tun haben." Bei den Eltern und Betroffenen gebe es etwa die Befürchtung, dass sich die Situation für die Kinder verschlechtere, wenn Vorfälle gemeldet würden. Zudem werde etwa auch von Seiten der Schulleitungen die dadurch entstehende Öffentlichkeit gescheut.

Auch die Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen, Saraya Gomis, geht von einer Dunkelziffer aus. "Wir haben grundsätzlich in der Gesellschaft eine Zunahme von rassistischen und antisemitischen Fällen insgesamt, das betrifft auch die Schulen", sagte Gomis AFP. "Wir müssen den Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus als gesamtgesellschaftliche Aufgabe annehmen, da Kinder und Jugendliche sehen, was wir Erwachsene vorleben."

Im vergangenen Jahr veröffentlichte das American Jewish Committee eine Befragung von 27 Lehrern aus Berlin. Diese ergab, dass antisemitische Stereotype und Feindbilder an einigen Schulen stark präsent sind. "Du Jude" sei etwa ein gängiges Schimpfwort. Ein Großteil der Lehrkräfte habe aber auch berichtet, dass das Thema Holocaust auf Interesse und Aufgeschlossenheit gerade auch bei muslimischen Schülern gestoßen sei.