Rebellion in Bangkoks berüchtigtster Straße

Die Stadtverwaltung der thailändischen Hauptstadt geht gegen Straßenstände vor. Doch auf der Backpacker-Meile Khao San Road stoßen sie auf Widerstand.


Vor dem Inselparadies muss man erst einmal durch die Hölle. Wenn Backpacker schlaftrunken aus dem Flieger in Bangkok steigen, ist die Khao San Road für viele die erste Anlaufstelle. Es gibt wohl keine wildere Straße in Bangkok, vor allem abends: Die Bässe aus Dutzenden Klubs und Bars vermischen sich, Backpacker teilen sich den Schnaps in Plastikeimern. Omas verkaufen die Schnitzereien irgendeines Bergvolkes, Transvestiten bieten ihre Körper an.

Was vor Jahrzehnten mit ein paar Hippie-Cafés begann, ist längst zu einer brachialen Party- und Unterhaltungsmaschine geworden – inklusive amerikanischer Fastfood-Restaurants.

Noch breiten sich auf den Gehwegen der Straße aber auch Händlerinnen mit hunderten Streetfood-Ständen aus. Sie verkaufen so ziemlich alles: Bier, Klamotten, Tattoos, geröstete Insekten, Döner und natürlich gebratene Nudeln.


Doch genau diese Händlerinnen müssen sich aus dem wilden Getümmel jetzt weitgehend zurückziehen. Das Großreinemachen in Bangkoks Straßen läuft schon länger: Die Stadtverwaltung drängt Straßenstände und Garküchen immer weiter zurück. Die Beamten pochen auf mehr Hygiene, Sauberkeit und Ordnung, verbannt die Händlerinnen vom Bürgersteig.

Und auch das Image der Metropole spielt eine Rolle: Thailand will sich unter dem Motto “Thailand 4.0” zum modernen Industriestaat wandeln – da passen die alten Frauen am Straßenrand nicht ins Bild.

Auf der legendären Backpacker-Meile stößt die Stadtverwaltung bei ihrer Säuberungsaktion auf den bisher größten Widerstand. Yada Pornpetrumpa, die Wortführerin der Händlerinnen, hat bereits angekündigt, dass zwei Drittel ihrer Kolleginnen zum Widerstand entschlossen sind.

Viele der Verkäuferinnen haben ihre Stände schon seit Jahrzehnten – und scheinen fest gewillt, ihr Geschäft zu verteidigen. An diesem Mittwoch lief bereits eine Frist der Stadtverwaltung ab. Doch meisten Verkäuferinnen öffneten aus Trotz einfach ganz normal.


Die Verkäuferinnen rechnen sich an, viel zum legendären Charakter der Straße beigetragen zu haben – und dass sie Teil der Attraktion sind. Die neue Regel der Stadtverwaltung wirkt tatsächlich ein bisschen so, als würde man in Venedig die Gondolieri aus den Kanälen verdammen.

Entsprechend erklären die Frauen ihre Vertreibung zur Staatsaffäre. Niemand geringeren als Thailands Machthaber Prayuth Chan-ocha bitten sie um Hilfe. Ob sie da an der richtigen Adresse sind, ist aber fraglich. Bisher zeigte der General kein großes Verständnis für die Belange von Bangkoks Straßenhändlerinnen.