Die Rebellin: Wie Prinzessin Diana alle Tabus brach

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So nahbar und furchtlos wie Prinzessin Diana hatte sich bis dahin kein Mitglied des britischen Königshauses gezeigt. Doch wie sehr sie wirklich gegen die königlichen Konventionen rebellierte, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar.

Sie war die Königin der Herzen, vor allem jedoch war sie die erste Prinzessin zum Anfassen. Wie kein anderer Royal zuvor läutete sie ein Zeitalter ein, in dem Königinnen und Prinzen, Herzoginnen und Fürste sich nicht mehr vom Volk abheben, sondern mit ihm in Kontakt treten wollen. Vor 20 Jahren starb Lady Di mit 36 Jahren bei einem Autounfall in Paris, doch ihr Einfluss ist bis heute spürbar - vor allem durch ihre vielen und häufig geschickt kalkulierten Brüche mit der königlichen Etikette und royalen Konventionen.

Die Ungehorsame

Dass Diana keine gewöhnliche Prinzessin sein würde, zeichnete sich schon bei der Verlobung ab. Die damalige Kindergärtnerin ließ sich keinen Verlobungsring anfertigen, wie unter Royals eigentlich üblich, sondern wählte den mittlerweile berühmten Saphirring aus einem Katalog aus. Bezeichnend war jedoch vor allem, dass sie bei der Trauung nicht traditionsgemäß gelobte, Prinz Charles "zu gehorchen", sondern stattdessen ihn in ihren eigenen Worten versprach, ihn "zu lieben, zu trösten, zu ehren und zu umsorgen". Jede Frau des britischen Königshauses einschließlich Königin Elizabeth ll. hatte bis dahin ihrem Ehemann stets Gehorsam geschworen. Herzogin Kate folgte 20 Jahre später Dianas Beispiel.

Die Löwenmutter

Bei allen royalen Verpflichtungen kamen für Diana ihre Söhne immer an erster Stelle. Von Anfang an hatte sie die Fäden in der Hand, und die verliefen außerhalb des Palastes. William wurde der erste Windsor, der jenseits der Palastmauern in einem Krankenhaus geboren wurde und einen öffentlichen Kindergarten besuchte. Sie wählte die Namen der beiden Jungs selbst aus (Charles hätte Arthur und Albert bevorzugt) und bestand darauf, ihre Kinder zu stillen - angeblich als erste Mutter des britischen Königshauses.

Die Volksnahe

Eine normale Kindheit war William und Harry freilich nie möglich, doch Diana bemühte sich dennoch, ihre Söhne zu guten Bürgern des Volkes zu erziehen. Neben McDonald's, Jeans, und Schlange stehen in Disneyland wie jeder andere auch bedeutete dies für sie, von klein auf Obdachlosenheime und Krankenhäuser zu besuchen. "Sie wollte, dass wir die raue Realität des echten Lebens erfahren", sagte William dem Sender "ABC" 2012. "Und ich kann ihr dafür nicht genug danken."

Die Kinderliebe

Mittlerweile ist es ein normaler Anblick, wenn sich Herzogin Kate zu einem Kind hinunter beugt oder breit lächelt, wenn ein kleiner Junge spontan die Arme um sie wirft. Doch bei Diana war das ein absolutes Novum. Wie ungewöhnlich das in royalen Kreisen auch heute noch ist, zeigte sich, als Queen Elizabeth ihren Enkel William zurechtwies, als der bei "Trooping the Colour" neben seinem Sohn George kniete. Doch die Prinzessin glaubte fest daran: Wenn man mit einem Kind oder kranken Menschen redet, "geh mit ihm auf Augenhöhe".

Die Furchtlose

Sich wohltätig zu engagieren, gehört für Königsfamilien zum guten Ton, doch für Diana bedeutete das mehr als aufzutauchen und zu winken. So nahbar und furchtlos wie sie hatte sich noch kein Royal gezeigt. Das Bild, wie die Ehefrau des zukünftigen Königs über ein Minenfeld marschierte, versetzte die Welt in Staunen. Ende der 80er, als AIDS noch missverstanden und wie die Pest gefürchtet war, verzichtete sie beim Händeschütteln mit HIV-Infizierten auf Handschuhe, umarmte ein AIDS-krankes Kind. Sie wusste um die Kraft solcher Gesten - und solcher Bilder. Und die war für sie stärker als royale Konventionen.

Foto(s): Richard Pelham/Globe-Photos/ImageCollect