Zu satt für Erfolg? Die Gründe für Reals Krise

Patrick Hauser
Cristiano Ronaldo schoss gegen Betis Sevilla zwölf Mal aufs Tor, blieb jedoch glücklos

Als der FC Barcelona im spanischen Supercup von Real Madrid gedemütigt wurde, schlug Abwehrchef Gerard Pique Alarm.

"Zum ersten Mal in den neun Jahren, die ich nun in Barcelona bin, habe ich das Gefühl, dass wir Madrid unterlegen sind", fluchte der 30-Jährige nach den klaren 1:3- und 0:2-Niederlagen Mitte August.

Gerade einmal einen guten Monat später haben die Katalanen in der spanischen Liga sieben Punkte Vorsprung vor dem Erzrivalen und thronen an der Tabellenspitze.

Alternative zu Benzema fehlt

Real enttäuscht in dieser Saison vor allem im heimischen Bernabeu-Stadion, nach dem 2:2 gegen Valencia und dem 1:1 gegen Levante setzte es am Mittwoch ein völlig überraschendes 0:1 gegen Betis Sevilla.


Nach acht Punkten aus fünf Spielen und Tabellenplatz acht mehren sich die Zweifel, ob die Madrilenen ihre herausragenden Leistungen der vergangenen Saison bestätigen können.

Vor allem im Angriff drückt der Schuh beim Team von Trainer Zinedine Zidane: Zwar traf Real bis zum 0:1 gegen Betis in 73 Spielen in Folge, nach dem Abgang von Alvaro Morata (zum FC Chelsea) fehlt jedoch eine Alternative zu Sturmführer Karim Benzema.

Für den Fall der Fälle brachte sich sogar Ex-Star Ronaldo (der Brasilianer) ins Gespräch. "Ein zentraler Stürmer? Wenn etwas passiert, bringe ich mich selbst in Form, falls ich gebraucht werde", scherzte "Il Fenomeno" bei einer Charity-Veranstaltung am Donnerstag.

Zidane drängte im Sommer auf einen Ersatz für den spanischen Nationalspieler Morata, Wunschspieler Kylian Mbappe zog aber einen Wechsel zu Paris Saint-Germain vor.

Mangel an Intensität und Willen

Zidane reagierte und wollte fortan Weltfußballer Cristiano Ronaldo als zentralen Stürmer auflaufen lassen. Dieser Plan zerschlug sich mit der Sperre des Portugiesen jedoch, erst gegen Betis gab der 32-Jährige seine Saisonpremiere in La Liga.


Um den zuletzt angeschlagenen Benzema zu entlasten, probierte es Zidane mit Borja Mayoral, der in der vergangenen Saison als Leihspieler beim VfL Wolfsburg kein Bein auf den Boden bekam. Der 20-Jährige traf bei seinem Startelfdebüt in San Sebastian zwar sofort, eine hochklassige Alternative zu Benzema ist er jedoch (noch) nicht.


Fans und Experten kritisieren auch einen Mangel an Intensität und Willen, der das Team in der höchst erfolgreichen letzten Saison noch ausgezeichnet hatte. Nach den zahlreichen Titelgewinnen wäre eine gewisse Sattheit bei Toni Kroos und Co. nur verständlich.

Zidane verspricht Besserung

Neuzugänge könnten diese Gier nach Erfolgen in das Team bringen - allerdings holte Real im Sommer vor allem Talente wie Theo Hernandez oder Dani Ceballos, die noch keine Ansprüche im Team der Weltstars stellen können.

"Wir haben gerade erst angefangen, lasst uns weiter arbeiten. Wir werden bessere Tage haben", versuchte Zidane zu beschwichtigen.

Allerdings weiß auch der Franzose, dass die Stimmung in Madrid ganz schnell umschwenken kann.