Reaktor von Schweizer Atomkraftwerk Beznau nahe Deutschland wieder in Betrieb

Atomanlage Beznau südlich von Baden-Württemberg

Der seit drei Jahren abgeschaltete Reaktor 1 des an der deutschen Grenze gelegenen Atomkraftwerks Beznau in der Schweiz ist am Dienstag wieder ans Netz gegangen. Wie die Betreiberfirma Axpo mitteilte, gingen dem die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde für atomare Sicherheit (Ansi) sowie umfangreiche Inspektionen und Tests voraus. Der Reaktor 2 war nach knapp dreitägiger Unterbrechung wegen eines technischen Defekts im August 2017 wieder ans Netz gegangen. Das Akw ist das älteste weltweit.

Axpo zufolge wurden während des Stillstands des ersten Reaktors umfassende Modernisierungs- und Wartungsarbeiten sowie Inspektionen vorgenommen. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Anlage "alle sicherheitstechnischen Voraussetzungen für den Langzeitbetrieb von 60 Jahren" erfüllten.

Der erste Reaktor des Akw Beznau stand bereits seit März 2015 aus technischen Gründen still. Die im nördlichen Kanton Aargau gelegene Atomanlage ist seit 1969 in Betrieb. Seit der Schließung des britischen Kernkraftwerks Oldbury 2012 ist es das weltweit älteste noch in Betrieb befindliche Akw.

Im Mai 2017 hatte sich die Schweizer in einer Volksabstimmung gegen einen konkreten Zeitplan für den Atomausstieg ausgesprochen, der die Schließung von drei der fünf Reaktoren des Landes bereits im darauffolgenden Jahr vorsah. Der zur Abstimmung vorgelegte Zeitplan sah vor, alle Schweizer Atomkraftwerke höchsten 45 Jahre laufen zu lassen und damit das letzte spätestens 2029 vom Netz zu nehmen. Die zwei Reaktoren des Akw Beznau nahe der deutschen Grenze hätten dann schon im kommenden Jahr stillgelegt werden müssen.

Atomkraftgegner sprechen von "Uraltmeilern", "tickenden Zeitbomben" und erheblichen Gefahren für hunderttausende Menschen dies- und jenseits der Grenze. Die Regierung in Bern warnt vor negativen Folgen für die Energieversorgung, falls die Meiler zu früh abgeschaltet werden. Die Schweiz deckt etwa ein Drittel ihres Strombedarfs mit Atomkraftwerken, fast 60 Prozent mit Wasserkraft und gut vier Prozent mit anderen erneuerbaren Energien. Alle Atomkraftwerke in der Schweiz haben eine zeitlich unbegrenzte Lizenz.