Reaktionen auf Lindners ESOP-Vorstoß: „Da geht noch mehr“

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat bereits im vergangenen Jahr oft betont, die Probleme der Startup-Szene ernst zu nehmen.  - Copyright: picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat bereits im vergangenen Jahr oft betont, die Probleme der Startup-Szene ernst zu nehmen. - Copyright: picture alliance / Geisler-Fotopress | Frederic Kern/Geisler-Fotopress

Gut, aber nicht gut genug. So lassen sich die Reaktionen aus Startup-Deutschland auf die geplante Reform der Mitarbeiterbeteiligung durch das Bundesfinanzministerium zusammenfassen. Der Bundesfinanzminister, Christian Lindner (FDP), will steuerliche Rahmenbedingungen schaffen, mit denen Arbeitnehmer mehr und besser am Erfolg ihres Unternehmens teilhaben können. Konkret soll der steuerliche Freibetrag bei Mitarbeiterbeteiligungen wie ESOPs und VSOPs von 1.440 Euro auf 5.000 Euro erhöht und die „Dry-Income-Besteuerung“ angepasst werden.

Grundsätzlich begrüßen Gründerinnen und Gründer, dass sich Christian Lindner des Themas annimmt und sein Vorhaben gehe auch in die richtige Richtung – nur eben noch nicht weit genug. "Jetzt scheint er zu liefern", kommentiert der Startup Verband etwa das Eckpunktepapier, dessen Inhalt kurz nach dem Jahreswechsel bekannt wurde. Mit der Dry-Income-Besteuerung und der Ausweitung des Anwendungsbereichs würden die richtigen Stellschrauben angepackt werden. „Das begrüßen wir. Damit würden die aktuellen Showstopper der geltenden Regeln behoben.“

Gut, aber ...

Dann kommt das Aber: "Es ist noch eine Strecke zu gehen, damit Deutschland in puncto Mitarbeiterkapitalbeteiligung international wettbewerbsfähig wird." Baris Efe, Co-Gründer von Vali Berlin, dem Gründerhub der ESMT Business School, fragt in einem Post zu den Reformen auf Linkedin etwa: "Ist die Höhe des steuerlich absetzbaren Betrags mit 5.000 Euro hoch genug?" Der Gründer des Berliner Fintechs Scalable Capital, Erik Podzuweit, fordert im Handelsblatt sogar, die Freibetragsgrenze auf mindestens 25.000 Euro anzuheben.

Ein weiterer Punkt, den Efe anspricht, ist die Größe der förderfähigen Unternehmen. Bisher profitieren nur kleinere Startups mit maximal 500 Mitarbeitern und 100 Millionen Euro Jahresumsatz von den geplanten Neuerungen. Das sorge dafür, „dass insbesondere die Scaleups, die in besonderer Weise im internationalen Wettbewerb um die besten Talente stehen, nicht von den verbesserten Regelungen profitieren können“, sagt Raisin-Chef Tamaz Georgadze auf Anfragen vom Handelsblatt.

Mitarbeiterbeteiligungen sind Standard in vielen Startups. Angestellte in Schlüsselpositionen verlangen inzwischen mehr – sie fragen nach Hurdle Shares.
Mitarbeiterbeteiligungen sind Standard in vielen Startups. Angestellte in Schlüsselpositionen verlangen inzwischen mehr – sie fragen nach Hurdle Shares.

Und nicht zuletzt teilen Efe, der Startup Verband und einzelne Gründer die eine große Sorge: Noch sei all das Versprochene ja nicht umgesetzt. Das Eckpunktepapier ist nicht mit den Koalitionspartnern abgestimmt. Erst mit deren Zustimmung kann ein Gesetzgebungsverfahren eingeleitet werden. „Entscheidend ist, ob und in welcher Form jetzt zügig Änderungen kommen, die Mitarbeiterbeteiligungen bei Startups auf das Niveau der amerikanischen Marktstandards heben“, so der Gründer Martin Böhringer des HR-Startups Staffbase etwa.