RB-Rückkehrer Müller: Keine Angst vor Attacken

Reinhard Franke

Manchmal muss man einen kleinen Schritt zurück machen, um endlich wieder durchzustarten - davon kann Marius Müller mittlerweile ein Lied zu singen. 

Nach seinem Wechsel vom 1. FC Kaiserslautern zu RB Leipzig vor einem Jahr war der Torwart dort nur Reservist und ist auch deshalb vor wenigen Tagen zu den Roten Teufeln zurückgekehrt.

Doch in der Pfalz erwartet ihn nicht nur Jubel, sondern auch teils erheblicher Gegenwind: Viele Fans nehmen dem Eigengewächs, das von 2003 bis 2016 beim FCK gespielt hatte, die Entscheidung für den ungeliebten Emporkömmling aus Sachsen immer noch übel. 

Müller ist sich über die Brisanz seiner Rückkehr an den Betzenberg allerdings durchaus im Klaren.

"Ich habe keine Angst vor Anfeindungen gegen meine Person, nur weil ich jetzt von Leipzig zurückkomme", sagt der 23-Jährige im Gespräch mit SPORT1.

"Wenn jemand ein Problem mit mir hat, dann suche ich das Gespräch. Ich bin ein zugänglicher Typ und weiß, wie die FCK-Fans ticken." 

Heikle Personaldebatte

Keine Frage, mit Müller hat der FCK einen talentierten Keeper zurückgeholt, sich gleichzeitig aber auch eine heikle Personaldebatte eingebrockt. Müller ist bewusst, dass er diese Diskussionen eigentlich nur mit guten Leistungen beenden kann.

"Ich erwarte keine Jubelschreie und auch nicht, dass man mir in die Arme springt. Ich wünsche mir einfach eine faire Chance. Ich will mit Leistung überzeugen."

Doch das mit der fairen Chance ist so eine Sache. Müller wurde nur für ein Jahr ausgeliehen und ist für viele Leute aus der Fanszene des Traditionsvereins FCK nach wie vor ein rotes Tuch.

Unvergessen sind noch immer die extremen Aggressionen beim bis dato letzten Auftritt von RB im Fritz-Walter-Stadion in der vorletzten Saison - den Sachsen schlug damals der blanke Hass entgegen.

"Ultras werden nicht erfreut sein"

"Es wird sicher Gegenwind geben, aber darauf bin ich eingestellt. Die Ultras werden nicht erfreut sein über meine Rückkehr, aber ich war kein Schmarotzer und habe auf Kosten des Vereins gelebt. Ich habe dem Verein durch die Ablöse vor einem Jahr auch wichtiges Geld gebracht", gibt sich Müller gelassen und zuversichtlich: "Nach den ersten gehaltenen Bällen wird die Unterstützung hoffentlich wieder da sein."

In den Internetforen fällt das gängige Urteil über seine Verpflichtung aber alles andere als positiv aus.

Karriere gerät ins Stocken

Dass die Karriere des Keepers zuletzt ins Stocken geraten war, lässt sich zumindest nicht leugnen. "Ich hatte mir das in Leipzig alles anders vorgestellt. Dennoch habe ich mich in dem Jahr extrem verbessert, auch durch die hohe Qualität im Training", erklärt Müller, der nun auch "endlich wieder im Spiel im Tor stehen" will. 

Einen Freibrief wird der Rückkehrer aber auch in Kaiserslautern nicht haben, wenngleich der Kontakt zu Torwarttrainer Gerry Ehrmann, seinem Förderer und Fürsprecher, im vergangenen Jahr nie abgerissen ist.

Dennoch wollte Müller unbedingt zurück in die Pfalz: "Ich hatte auch andere Anfragen, aber in der 2. Liga gab es für mich nur einen Verein, den FCK. Das habe Ich meinem Berater auch gesagt - und das letzte Wort hat eben der Spieler."

In Leipzig hat der Schlussmann trotz der für ihn unbefriedigenden Situation "viel gelernt und will das nun alles auch wieder auf dem Platz zeigen".

Um damit so bald wie möglich auch seine Kritiker aus der Kurve zum Verstummen zu bringen. "Da wird mir keiner ein Messer an den Hals halten", meint Müller augenzwinkernd und schiebt nach: "Und wenn doch, dann habe ich immer noch den Gerry..."