Razzien gegen Mafia in Deutschland und Italien: Über 170 Festnahmen

Bei Polizeirazzien gegen die süditalienische Mafia hat es in Italien und Deutschland insgesamt mehr als 170 Festnahmen gegeben.

In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden am Dienstag elf mutmaßliche Mitglieder der kalabrischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta gefasst, so das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. Die Männer seien zwischen 36 und 61 Jahre alt. Sie werden verdächtigt schwere Straftaten, wie Erpressung und Geldwäsche, begangen zu haben.

Ein Verdächtiger wurde im Großraum München festgenommen , so Medienberichte. Aber vor allem die ländlichen Gebiete sind betroffen: Fünf weitere seien im Schwalm-Eder-Kreis in Hessen gefasst worden, das teilte ein Sprecher der Polizei in Kassel mit. Das Landeskriminalamt (LKA) in Baden-Württemberg berichtete von vier Festnahmen: Im Rems-Murr-Kreis (zwei Festnahmen), im Ortenaukreis (eine Festnahme) und im Landkreis Reutlingen (eine Festnahme).

Ein Verdächtiger in Baden-Württemberg soll von der Polizei bereits seit den 90er Jahren bekannt sein, so Medienberichte. Damals ermittelten die Beamten gegen ihn wegen Geldwäsche. Er brachte auch den einstigen baden-württembergischen CDU-Politiker Günther Oettinger in Bedrängnis . Dieser soll öfters das Restaurant des Festgenommenen besucht haben . Der Wirt nannte Oettinger damals "seinen Minister". Der heutige deutsche EU-Kommissar betont seither, keinen Kontakt mehr zu dem Verdächtigen zu haben.

Der 'Ndrangheta-Clan Farao-Marincola

Die Festnahmen in Deutschland sind Teil einer Ermittlung der italienischen Strafverfolgungsbehörden, so das BKA. In Italien erfolgten zeitgleich mehr als 160 Festnahmen in Kalabrien und sieben weiteren Regionen.

Eine kriminelle Gruppierung steht im Mittelpunkt der Ermittlungen: Der 'Ndrangheta-Clan Farao-Marincola aus der kalabrischen Gemeinde Cirò. Dieser soll in Kalabrien und über benachbarte Regionen hinaus großen Einfluss haben.

Die Ermittlungen hätten ergeben, dass die Familien in verschiedenen Wirtschafts- und Unternehmensbereichen in Italien sowie im Ausland mitmischten. Sie organisieren sich wie eine "kriminelle Holding", um Geschäfte in Millionenhöhe zu betreiben. Besonders betroffen seien Firmen aus der Wein- und Nahrungsmittelbranche, bis hin zur Abfallentsorgung sowie Beerdigungsunternehmen.

Das BKA in einer Mitteilung :

"Die einzelnen Strafvorwürfe reichen von versuchtem Mord, Erpressung, Geldwäsche und Verstoß gegen das Waffengesetz, internationaler Kfz-Verschiebung, illegalem Handel und illegale Verschiebung von Müll bis hin zu unlauterem Wettbewerb. Der Gruppierung sei es darüber hinaus gelungen, Einfluss auf bedeutende italienische Wirtschafts- und Handelszweige, wie zum Beispiel die Herstellung und den Verkauf von Fisch, Wein und Backwaren zu nehmen und den Gewinn aus diesen Geschäften auch in Norditalien und Deutschland zu investieren."

Bei den Durchsuchungen und Festnahmen sollen Gegenstände im Gesamtwert von 50 Millionen Euro beschlagnahmt worden sein.

In einer Mitteilung der Carabinieri hieß es am Vormittag, dass eine Reihe von Beamten der Korruption verdächtigt würde. Unklar blieb zunächst, ob dies nur für Italien oder auch Deutschland gilt.