Razzien gegen die kalabrische Mafia in Deutschland und Italien

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Blaulicht

Mit dutzenden Haftbefehlen und Durchsuchungen ist die Polizei in Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern gegen Italiens mächtigste Mafia-Organisation vorgegangen. Ein Schwerpunkt der "Operation Platinum" gegen die kalabrische 'Ndrangheta war die Bodenseeregion, wie die Staatsanwaltschaft Konstanz und das Polizeipräsidium Ravensburg am Mittwoch mitteilten. Die Razzien richteten sich gegen Drogenschmuggel und gegen Steuerhinterziehung in großem Stil mithilfe von Lebensmittellieferungen von Italien nach Deutschland.

Die Polizeieinsätze wurden nach Angaben der Ermittler nach "über drei Jahren intensiver Ermittlungsarbeit" gestartet. An den Festnahmen und Durchsuchungen in Deutschland waren demnach etwa rund 500 Polizeibeamte und Steuerfahnder beteiligt, in Italien waren etwa 300 Beamte wie auch Kräfte der Armee und Hubschrauber im Einsatz.

Die "Operation Platinum" richtete sich nach Angaben der italienischen Anti-Mafia-Ermittlungsbehörde Dia gegen die zwei 'Ndrangheta-Clans Agresta und Giorigi und erstreckte sich auch auf Spanien und Rumänien. Auch die EU-Justizbehörde Eurojust und die EU-Polizeibehörde Europol unterstützten die Razzien. Sie arbeiten im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts "Onnet" für die Bekämpfung mafiöser Gruppen in Europa mit Dia zusammen.

In Deutschland wurden laut Staatsanwaltschaft Konstanz und Ravenbsurger Polizei drei Haftbefehle erlassen und einer davon vollstreckt. In Italien gab es demnach insgesamt 30 Haftbefehle. Die Zahl der Beschuldigten in beiden Ländern wurde mit mehr als 80 angegeben.

In Deutschland wurden Wohn- und Geschäftsräume in 46 Orten durchsucht, in Italien in 41 Orten. Der Schwerpunkt der Razzien lag demnach in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen und in Italien in den Regionen Piemont, Kalabrien und auf Sardinien.

Die Ermittler beschlagnahmten nach eigenen Angaben zahlreiche Beweismittel wie Datenträger, Mobilfunkgeräte, Geschäftsunterlagen, Drogen, Bargeld und Wertgegenstände sowie Vermögenswerte in einer Größenordnung von mindestens sechs Millionen Euro.

Die Verdächtigen sollen sich an großangelegtem Kokainhandel und bandenmäßiger Hinterziehung von Umsatzsteuer beteiligt haben. Nach Angaben der Ermittler schmuggelten sie für die 'Ndrangheta hunderte Kilogramm Kokain aus den Niederlanden nach Italien. Es gebe Hinweise auf direkte Kontakte zu kolumbianischen Drogenhändlern in den Niederlanden und Spanien.

Außerdem soll die Gruppe in Deutschland Umsatzsteuerhinterziehung in großem Stil betrieben haben. Dazu wurden den Ermittlern zufolge Lebensmittel aus Italien eingeführt und an italienische Restaurants und Lebensmittelhändler in ganz Deutschland geliefert.

Umsatzsteuern seien nicht entrichtet und die illegalen Gewinne offenbar nach Italien transferiert worden. Auf die Abnehmer wurde nach Erkenntnissen der Ermittler Druck ausgeübt, die Waren zu bestimmten Konditionen zu kaufen.

Die Gruppe hat ihren räumlichen Schwerpunkt nach Angaben der deutschen Ermittler in der norditalienischen Region Piemont rund um Turin und im süditalienischen Kalabrien. Ein Verdächtiger, der dem Kernbereich der Gruppe zugerechnet wird, war demnach im Bodenseeraum tätig und wird verdächtigt, von dort aus an Drogenhandel und Steuerhinterziehung beteiligt gewesen zu sein. Er wurde den Angaben zufolge am Mittwoch in Italien festgenommen werden.

Der italienischen Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero verwies bei einer Pressekonferenz auf die "große Gefährlichkeit" der 'Ndrangheta. Er forderte ein "globales Einschreiten, nicht nur auf europäischer Ebene".

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) erklärte, der Ermittlungserfolg sei "ein tolles Zeichen" für die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Zudem sollten Kriminelle ihn "als Warnung verstehen: Die Polizei Baden-Württemberg geht ganz entschieden gegen das organisierte Verbrechen vor, wir haben 'Ndrangheta, Cosa Nostra und Konsorten fest im Blick."

Die 'Ndrangheta gilt als Italiens mächtigste Mafia-Organisation. Auf ihr Konto gehen unter anderem Morde, Drogenhandel, Erpressungen, Geldwäsche und illegale Müllentsorgung.

yb/ju