Im Audi-Dieselskandal hat die Staatsanwaltschaft erneut Wohnungen und Büros durchsucht. Die Aktion kommt zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt.


Der Dieselskandal bei der VW-Tochter Audi erreicht erstmals auch die Vorstandsebene. Zum vierten Mal innerhalb eines Jahres rückte am Donnerstag die Staatsanwaltschaft München zur Razzia aus. Betroffen waren dieses Mal auch zwei ehemalige Vorstände des Ingolstädter Herstellers.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München sagte, die Zahl der Beschuldigten habe sich von 14 auf 17 erhöht. Aktuelle Mitglieder des Audi-Vorstands seien nach wie vor nicht darunter. Nach Handelsblatt-Informationen war unter anderem der frühere Audi-Vorstand Ulrich Hackenberg betroffen.

Die Ermittler durchsuchten die Privatwohnungen und in einem Fall auch den Arbeitsplatz von drei weiteren Beschuldigten. Sie stehen im Verdacht, dass sie mitverantwortlich dafür waren, einen wesentlichen Teil der Dieselfahrzeuge mit Schummelsoftware auf den Markt gebracht zu haben.


Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München sagte, die Beschuldigten würden wegen Sachverhalten sowohl in den USA als auch in Europa verdächtigt. Der Arbeitsplatz, an dem durchsucht wurde, befindet sich den Angaben zufolge nicht bei Audi, weil der betreffende Beschuldigte nicht mehr für das Unternehmen arbeite. Von Audi war zunächst keine Stellungnahme zu erreichen. Konzernmutter VW wollte sich nicht äußern.

Im September 2015 musste der Autobauer einräumen, die Abgaswerte von Dieselfahrzeugen mittels einer Software manipuliert zu haben, die zwischen Test- und Realbetrieb der Fahrzeuge unterscheiden konnte. Das Prinzip: Auf dem Prüfstand fuhren die Autos so sauber wie vorgeschrieben, auf der Straße stießen sie dagegen weit mehr giftiges Stickoxid aus als erlaubt.

Schnell griff der Skandal auch auf die VW-Tochter Audi über, die im Konzern für die Entwicklung und den Bau der Drei-Liter-Dieselmotoren verantwortlich war. Während bei VW die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, kümmert sich die Staatsanwaltschaft München II um Audi.

Die Staatsanwaltschaft war im vergangenen Jahr bereits dreimal im Zusammenhang mit der Abgasaffäre bei Audi zu Razzien ausgerückt, zuletzt vor wenigen Wochen. Die weitere Durchsuchung kommt erneut zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt für das Unternehmen: Der Audi-Aufsichtsrat tagt am Nachmittag in Wolfsburg.


Das Kontrollgremium will Insidern zufolge eigentlich über das vergangene und laufende Geschäftsjahr sprechen und sich auf den neuesten Stand bei der Aufklärung der Dieselaffäre bringen lassen. Die Ablösung von Audi-Chef Rupert Stadler, über die vergangene Woche erneut in Medienberichten spekuliert worden war, stehe nicht auf der Agenda, sagten mit den Sachverhalten vertraute Personen zu Reuters.

Der Vorstandsvorsitzende ist seit Bekanntwerden der Dieselaffäre und Audis Verwicklung darin enorm unter Druck. Ihm wird schleppende Aufarbeitung vorgeworfen

Bereits im März 2017 war es zu einer ersten Razzia in Ingolstadt und anderswo gekommen. Zunächst bezog sich der Verdacht auf den Betrug und strafbare Werbung mit Audi-Fahrzeugen, die auf dem US-Markt verkauft wurden. Dort hat VW den Betrug auch selbst eingeräumt.

VW machte keinen Hehl daraus, dass auch Audi an den Verfehlungen beteiligt war. Betroffen waren damals 80.000 Fahrzeuge. Ursprünglich hatten die Staatsanwälte deshalb vier Audi Mitarbeiter auf der Beschuldigtenliste. Zwei von ihnen wurden in Untersuchungshaft genommen, einer von ihnen sitzt auch aktuell noch in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.