Die Raubkatze ist auf der Jagd


Das Selbstbewusstsein war dem deutschen Chef von Jaguar Land Rover auf der IAA anzumerken. Dem ehemaligen BMW-Manager Ralf Speth ist es gelungen, die britischen Traditionsmarken unter dem Dach von des indischen Konzerns Tata Motors zu neuem Erfolg zu führen. Mittlerweile gehören die Briten zu den profitabelsten Marken und wachsen jährlich zweistellig. Nun streckt die Raubkatze ihre Tatzen offenbar nach neuer Beute aus. Das jedenfalls berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Um im harten Wettbewerb zu bestehen soll Jaguar Land Rover intern darüber diskutieren, weitere Marken zu übernehmen. Der Bericht beruft sich auf informierte Kreise – und nennt bereits einige Details der geplanten Deals. Demnach sollen die bei internen Diskussionen bereits sondiert worden sein, mit welchen Marken das Produktangebot erweitert werden könnte. Darüber hinaus könnte die Entwicklung von Elektroautos und autonomen Fahrzeugen durch die Übernahme von Technologiefirmen beschleunigt werden, heißt es.

Damit befeuert Jaguar Land Rover die Gerüchte, die ohnehin schon auf dem Markt kursieren. Seit der amerikanisch-italienische Konzern Fiat-Chrysler öffentlich darüber nachdenkt, seine Luxusmarken Maserati und Alfa Romeo abzuspalten, werden einige Konkurrenten als mögliche Käufer gehandelt. Und JLR-Mutter Tata gilt schon deswegen als gute Option, weil die Inder in die Offensive gehen müssen.


Denn die Zahlen der Inder waren zuletzt alles andere als überzeugend. Der scheidende Tata-Finanzchef C Ramakrishnan hatte in einer E-Mail vor wenigen Wochen bereits verkündet, dass es für den Konzern nun an der Zeit sei, neue Produkte auf den Markt zu bringen, neue Technologien zu erschließen und neue Produktionsstandorte zu eröffnen. Dafür hat sich Tata offenbar eine Kriegskasse aufgebaut. Nach Daten von Bloomberg haben die Inder ihre Cashreserven  auf umgerechnet 6,1 Milliarden Dollar erhöht– 87 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieses Geld könnte genutzt werden, um der britischen Tochter finanzielle Rückendeckung für Zukäufe zu geben.

Für die Inder ist das Geschäft mit der britischen Premiumtochter Jaguar Land Rover eminent wichtig. Die Briten erwirtschaften 78 Prozent des Umsatzes von Tata Motors erwirtschaftet. Doch die Inder wissen auch, dass JLR im Vergleich mit den deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes noch zu klein ist, um im harten Wettbewerb langfristig zu bestehen. Neben dem eigenen Wachstum könnten nun auch Zukäufe helfen, die Zukunft der Marke zu sichern.


JLR holt bei der Elektromobilität auf

Es wäre der erste große Kauf von Tata seit der Übernahme von Jaguar Land Rover im Jahr 2008. Damals hatten die Inder rund 2,4 Milliarden Dollar für die britischen Traditionsmarken gezahlt. Nur wenige Marktbeobachter hatten den damals totgesagten britischen Marken eine erfolgreiche Zukunft vorausgesagt.

Mittlerweile sind die Briten wieder stark genug, um sich aktiv um die eigene Zukunft zu kümmern. Im Juni hatte JLR eine Kooperation mit dem amerikanischen Mobilitätsdienst Lyft verkündet. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen Fahrzeuge auf die Straßen von San Francisco schicken. Darüber hinaus hatten die Briten 25 Millionen Dollar in Lyft investiert.


Und auch bei der Elektromobilität holen die Briten auf. Im Januar startet der Verkauf des Jaguar I-Pace, einem elektrischen SUV, das rund 75.000 Euro kosten soll und auf eine Reichweite von 500 Kilometer kommt. Ein Modell, das deutsche Premiummarken so noch nicht anbieten können. Mit dieser Technologie könnte JLR auch andere Premiummarken aufwerten.

Doch welche Marken konkret unter dem Dach von Jaguar Land Rover landen könnten, ist noch unklar. Sowohl Tata als auch JLR schweigen offiziell zu den Gerüchten. Denn eine gute Wildkatze auf der Jagd verhält sich möglichst ruhig.