Rätselhafte Schrift: Künstliche Intelligenz könnte das Voynich-Manuskript entschlüsselt haben

Seit Jahrzehnten versuchen Sprachforscher, das berühmte Voynich-Manuskript zu entschlüsseln. Nun behaupten zwei Computerwissenschaftler eine Antwort darauf gefunden zu haben, was uns die Schrift mitteilen soll.

Kanadische Forscher könnten mithilfe von künstlicher Intelligenz das Voynich-Manuskript entschlüsselt haben. (Bild: Getty Images)

Das Voynich-Manuskript wurde nach dem Buchhändler und Antiquar Wilfrid Michael Voynich benannt, der das Schriftstück 1912 erworben hatte. Die darin verwendete Schrift und Sprache soll aus dem 15. Jahrhundert stammen, konnte trotz intensiver Bemühungen aber bisher nicht identifiziert werden – der Sinn blieb ebenfalls verborgen.

Forscher der University of Alberta im kanadischen Edmonton glauben nun, eine Lösung für das Problem gefunden zu haben. Sie haben einen Algorithmus entwickelt, der unbekannte alphabetische Schriften entschlüsseln kann. Die Wissenschaftler Greg Kondrak und Bradley Hauer haben hierfür Schriftproben aus 400 Sprachen eingespeist.

Das Ergebnis: Die Sprache scheint vermutlich Hebräisch zu sein. Bislang war man häufig ausgegangen, dass es sich um Arabisch handelt. „Das hat uns überrascht“, so Kondrak laut der Wissenschaftswebsite „CTV News“. „Im nächsten Schritt müssen wir es entschlüsseln.“

Das Voynich-Manuskript gibt Sprachforschern seit Jahrzehnten Rätsel auf. (Bild: Getty Images)

Bei ihrer Arbeit ist das Forscherteam davon ausgegangen, dass es sich bei den im Schriftstück enthaltenen Worten um sogenannte Alphagramme – alphabetisch geordnete Anagramme – handeln muss. Ein Anagramm ist eine Wortspielerei, bei der die Buchstaben umgestellt wurden. Der Algorithmus schaffte es, das Buchstabenwirrwarr in Wörter umzubilden.

„Es stellte sich heraus, dass mehr als 80 Prozent der Wörter in einem hebräischen Wörterbuch zu finden waren, aber wir wussten nicht, ob das Ganze Sinn ergab.“ Ihre Forschung ergab allerdings, dass der erste Satz des Voynich-Manuskripts nach einigen Korrekturen sinngemäß folgende Worte enthält: „Sie gab dem Priester, dem Mann des Hauses und mir und den Menschen Empfehlungen“.

Historiker, die sich mit der althebräischen Sprache beschäftigen, müssten nun die Übersetzung interpretieren. Bisher stößt die Entdeckung der kanadischen Forscher jedoch noch auf Skepsis. „Ich denke nicht, dass man diese Art der Forschungsarbeit gutheißt.“ Die Wissenschaftler geben auch zu, dass man mit der Methode keinen flüssigen Text erwarten könne. Die Analyse habe jedoch ergeben, dass das Skript Worte wie „Bauer“, „Licht“, „Luft“ und „Feuer“ enthält und dass es sich um einen mittelalterlichen Kräuterleitfaden handeln könnte.