Ratingagentur S&P prüft Abstufung der Deutschen Bank nach Chefwechsel

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

Die Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) prüft nach dem Chefwechsel bei der Deutschen Bank eine mögliche Abstufung der Kreditwürdigkeit des Instituts. S&P setze ihr langfristiges Rating "A-" auf ihre Beobachtungsliste, teilte die Ratingagentur am Donnerstag mit. Denn ein längerer, vertiefter oder kostspieligerer Umbau der Bank würde dazu führen, dass das Kreditinstitut für einen längeren Zeitraum ein "negativer Sonderfall" bleibe.

Die Deutsche Bank hatte am Wochenende ihren Chef ausgetauscht: Der bisherige Privat- und Firmenkundenvorstand Christian Sewing löste den Briten John Cryan ab. S&P erklärte, zwar könne Sewings Ernennung als "Sprungbrett" für die Bank dienen, rasch ein "nachhaltiges und solide profitables Geschäftsmodell" zu finden. Allerdings müsse die Bank ihre Umbauanstrengungen vielleicht noch verstärken. Eine Neubewertung will S&P Mitte Mai erneut prüfen.

Sewing rief die Mitarbeiter der Deutschen Bank bereits dazu auf, die "Jägermentalität" zurückzugewinnen. Unter Beobachtung steht vor allem, wie er das umstrittene Investmentbanking ausrichten wird, das bislang den größten Teil zum Gewinn beisteuert.

Mehrere Manager und Unternehmer aus Deutschland sprachen sich in der "Wirtschaftswoche" für eine starke Deutsche Bank aus. Deutschland als eine der führenden Industrie- und Handelsnationen brauche mindestens eine starke Bank, die nicht vorrangig von Ausländern kontrolliert wird, sagte der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne.

Siemens-Chef Joe Kaeser forderte, Priorität müsse das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern haben. "Erst dann sollte man sich den Gewinnerwartungen der Kapitalmärkte widmen." Martin Herrenknecht, Chef des gleichnamigen Herstellers von Tunnelbohrern, sagte der "Wirtschaftswoche", es sei wichtig, dass die Deutsche Bank ihre Rolle als "pragmatischer, flexibler und verlässlicher Begleiter mittelständischer deutscher Unternehmen im globalen Geschäft stärken kann".