Besser fühlen mit einer "Eisernen Reserve"

Stefanie Kühn
Finanzberaterin
Rücklagen für Notzeiten, eine so genannte “Eiserne Reserve”, ist vielen Anlegern sehr wichtig. (Bild: ddp)

Kürzlich las ich in einer Fachzeitschrift von einer Studie, dass Anleger sich mit einer subjektiv als ausreichend bezeichneten Rücklage wohler fühlen, als Menschen ohne diese Notfallreserve. Es gehe soweit, dass objektiv reichere Menschen aber ohne schnell verfügbares Geld unglücklicher seien als Menschen mit weniger Geld, aber einer für sie ausreichenden Reserve. Der Autor des Artikels zeigte sich davon überrascht. Ich war es nicht.

In meiner Beratungspraxis spielt die ausreichende Höhe der Notfallreserve eine wichtige Rolle und wird immer zuerst behandelt. Denn erst, wenn diese feststeht, weiß man ja, wieviel Geld für längerfristige Anlagen zur Verfügung steht. Bei Banken wird das offenbar so nicht abgefragt. Das kam zum einen aus der Studie heraus, zum anderen entspricht das auch meiner Erfahrung.

In letzter Zeit hatte ich einige Mandanten, die einen Kredit fertig abbezahlt hatten und die die bisherige Rate in ein neues Produkt der Bank überführen sollten. Fondssparpläne oder Rentenversicherungen sind da als Vorschlag beliebt. Keiner dieser Menschen hatte eine Notfallreserve und niemand hatte sie danach gefragt.

Die Diskussion um die angemessene Höhe der Notfallreserve dauert manchmal auch länger, denn es müssen anstehende Investitionen (beispielsweise am Wohneigentum) oder Reisen geplant werden. Auch geplante Jobwechsel können zu einem höheren Bedarf führen. Als Faustregel gilt, dass drei bis fünf Nettomonatsgehälter oder Nettomonatsbedarfe angemessen sind. Bezogen auf das Gesamtvermögen liegt der Anteil der gewünschten Liquidität meistens zwischen fünf und zehn Prozent.

Mein Appell an Sie: Überlegen Sie, welche Summe Sie stets ohne zeitliche Verzögerung verfügbar halten möchten. Diskutieren Sie diese Summe mit Ihrem Partner. Diese Summe ist in Anlagegesprächen „nicht diskutierbar“. Nach meiner Erfahrung kommen nur sehr selten sehr unrealistische Vorstellungen heraus.

Die Anlage der Notfallreserve sollte auf einem Tagesgeldkonto erfolgen. Dies ist ein nur auf Guthabenbasis geführtes Konto, das keine Gebühren verursacht. Das Geld ist täglich verfügbar, es kann also ein plötzlich auftretender Bedarf auf dem Girokonto am Folgetag gedeckt werden. Alle Überweisungen, die online vor 17.00 Uhr aufgegeben werden, sind am nächsten Tag gutgeschrieben. Und in der Regel kennen Sie Ihre Ausgaben ja etwas länger im Vorfeld.

Derzeit erhalten Sie bei guten Direktbanken noch 0,5 Prozent Zinsen. Ein Inflationsausgleich ist derzeit also nicht möglich. Ganz umsonst oder gar mit Strafzinsen versehen müssen Sie allerdings auch nicht parken. Ein Tagesgeldkonto bei einer Direktbank ist schnell und einfach eröffnet und für viele der Einstieg, ihre Finanzen zukünftig in die eigene Hand zu nehmen.

Nur Mut

Ihre Stefanie Kühn

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