„Rassistisch und antiziganistisch“: Umstrittener Kinderfilm soll in Schulen vorgeführt werden

Die Hauptbesetzung von „Nellys Abenteuer“. Der Kinderfilm lief bereits 2016 in den deutschen Kinos. (Bild: ddp Images)

Bereits 2016 sorgte der Kinofilm „Nellys Abenteuer“ für Proteste von Sinti- und Roma-Vertretern. Nun soll der Kinderfilm nicht nur bei den Öffentlich-Rechtlichen laufen, sondern auch Schulklassen gezeigt werden.

„Massive antiziganistische Klischees und Stereotype“, „völlig ungeeignet für die Zielgruppe von Kindern“ – mit diesen Worten kritisiert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma „Nellys Abenteuer“. Der Kinderfilm, der bereits 2016 in einigen deutschen Kinos lief, handelt von einem 13-jährigen deutschen Mädchen, das von Roma-Teenagern beklaut und auf Bestreben eines Unternehmenskonkurrenten ihres Vaters in ein rückständiges rumänisches Dorf entführt wird. Dort lernt sie das Leben der Roma kennen und freundet sich schließlich sogar mit ihnen an.

Der mit 900.000 Euro staatlich geförderte Streifen soll bald im SWR und im Kinderkanal der ARD und des ZDF ausgestrahlt werden. Außerdem bietet der Vertrieb Farbfilm Verleih den Film für Schulvorstellungen an. Hierzu wird auf der Internetseite von „Nellys Abenteuer“ auch schulisches Begleitmaterial zur Verfügung gestellt.

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Dass der Film einem so breiten Publikum von Kindern gezeigt werden soll, sorgt beim Zentralrat Deutscher Sinti und Roma für Empörung. Zwar erkennen die Vertreter an, dass der Film in der Absicht gedreht wurde, Berührungsängste zu überwinden und Vorurteile zu beseitigen. Letztendlich bewirke er jedoch genau das Gegenteil. Um das zu verdeutlichen, gab der Zentralrat ein Gutachten in Auftrag.

„Hängen bleibt das Bild von den kriminellen, unzivilisierten, disziplinlosen und triebgesteuerten Roma, die keine Moral kennen“, bestätigte Pavel Brunßen vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin während eines Fachgesprächs am 14. September. „Vor diesem Hintergrund ist es als besonders kritisch zu bewerten, dass der Film im Fernseh- oder Kinoprogramm aufgenommen wird und als Bildungsmaterial für Kinder und Jugendliche verwendet werden soll.“

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Während eines Gesprächs mit den Filmemachern hätten diese nicht anerkannt, rassistische Stereotype zu verbreiten. „Es ist im Grunde unvorstellbar, dass in Deutschland ein Film mit einem derart antiziganistischen Inhalt erst mit Steuergeldern subventioniert wird und dann im Kinderprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ausgestrahlt wird“, erklärte Zentralratsvorsitzender Romani Rose anschließend.

Auch mit dem SWR wurde das Gespräch gesucht. Der Sender wird den Film dennoch ausstrahlen, da die Geschichte „auf der Basis gegenseitiger kultureller Wertschätzung erzählt“ werde, wie Programmdirektor Christoph Hauser gegenüber „Vice“ erklärt. „Den Vorwurf des Zentralrats, der Film beinhalte rassistische und antiziganistische Züge, weise ich entschieden zurück“, ergänzt er.

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