Rangnick erklärt Leipzigs Jugend-Philosophie

Ralf Rangnick arbeitet seit 2012 für RB Leipzig

Ralf Rangnick hat große Ziele mit RB Leipzig. 

Auf dem Weg zu immer neuen sportlichen Höhen verfolgt der Sportdirektor des deutschen Vizemeisters eine klare Philosophie, die sich von den Strategien anderer Topklubs klar unterscheidet. "Wir verpflichten nur junge Spieler - umso jünger, umso besser ist unser Motto", erklärte der 59-Jährige in einem Interview mit der englischen Sun. Entscheidend sei jedoch nicht nur, die Spieler früh zu holen - sondern vor allem, sie früh im Herren-Fußball einzusetzen. 

Bestes Beispiel: Leipzigs Dayot Upamecano, der als 16-Jähriger nach Leipzig kam. Mit gerade einmal 18 Jahren gehört er fest zum Team und spielt selbst in der Champions League eine wichtige Rolle. "Er war herausragend gegen Porto, als er gegen einen erfahrenen Mittelstürmer wie Vincent Aboubakar spielte", sagte Rangnick. Bei Leipzig suche man nach hoch veranlagten Jugendspielern, die in "hochklassige Spieler entwickelt" werden sollen.  


Früh übt sich, wer ein Meister werden will

Rangnick hält einen frühen Start in die Profi-Karriere für geradezu unverzichtbar. Der Unterschied zwischen einem reinen Jugendspieler und einem Talent mit Profi-Erfahrung ist in seinen Augen gigantisch.

Als ein weiteres Beispiel führte er die UEFA Youth League an (LIVE auf SPORT1). "Letzes Jahr fand das Finale zwischen Benfica und Salzburg statt, den einzigen beiden Vereinen, bei denen die Mannschaften schon im Herren-Bereich antreten." Die U19-Mannschaften von Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona, die im Halbfinale scheiterten, hätten dagegen lediglich aus Jugendspielern bestanden. "Das Finale hat wie ein Herren-Spiel ausgesehen, obwohl alle Spieler zwischen 17 und 18 Jahre alt waren." 

In den Nachwuchsligen, wie sie in England existieren, herrsche nicht genügend Druck: "Es gibt am Ende der Saison einen Titel, aber der Wettkampf wird nicht ausreichend gefördert." 

Kaum Chancen trotz WM-Titel?

Die jüngsten Erfolge der englischen Junioren-Nationalmannschaften sieht der deswegen durchaus kritisch. Obwohl die Talente Englands mit der U17, U19 und U20 Weltmeister wurden, sieht der bei vielen den Sprung auf die große Fußball-Bühne verbaut. "Die beiden besten Akademien stehen bei Manchester City und Chelsea, aber keiner ihrer jungen Spieler hat eine ernst zu nehmende Chance auf einen Platz im Profiteam."


Manchmal beschleiche ihn das Gefühl, dass die Jungstars für die "Milliardäre" nur Sammelobjekte seien, die man ab und zu interessierten Besuchern zeige wie eine Briefmarken- oder Münzsammlung. Aber nie wirklich verwende. 

Auch bei Leipzig ist bekanntlich viel Geld vorhanden - die Strategie ist dank Rangnick aber eine ganz andere.