Ramaphosa neuer Vorsitzender von ANC

In Südafrika haben Delegierte der Regierungspartei ANC Vizepräsident Cyril Ramaphosa mit knappem Vorsprung zum Vorsitzenden gewählt. Damit wird er wohl auch bei der nächsten Präsidentschaftswahl antreten.

Die südafrikanische Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress hat am Montag den stellvertretenden Staatspräsidenten Cyril Ramaphosa zum neuen Parteichef gewählt. Es gilt als wahrscheinlich, dass der 65-Jährige der nächste Präsident von Südafrika wird.

Ramaphosa hat sich in den vergangenen Monaten als Reformer dargestellt, der Südafrika wegführen will von den Korruptionsskandalen, die die Wirtschaft des Landes gebremst haben. Im vergangenen Jahr war Südafrika kurzzeitig in eine Rezession gerutscht.

Ramaphosa zählt zu den reichsten Geschäftsleuten Südafrikas. Zu Zeiten der Apartheid hatte er für deren Beendigung gekämpft. Er half bei den Verhandlungen für den Übergang zur Demokratie.

Als Geschäftsmann machte er sich Kontakte aus seiner vorherigen Zeit als Gewerkschaftsführer zunutze. Seine Unternehmen waren bisweilen umstritten. Viele Südafrikaner haben noch in Erinnerung, dass Ramaphosa Aufsichtratsmitglied des Bergbauunternehmens Lonmin war, als die Polizei 2012 34 streikende Minenarbeiter erschoss.

Ramaphosa löst Präsident Jacob Zuma als Parteichef ab. Während dessen Amtszeit wurde der African National Congress von Skandalen und Korruptionsvorwürfen erschüttert. Die einst von Anti-Apartheids-Ikone Nelson Mandela geprägte Partei verlor an Zuspruch. Zumas Amtszeit als Staatspräsident endet 2019, aber Ramaphosa könnte ihn zum Rücktritt auffordern.



Beobachter hatten mit einem knappen Rennen zwischen Ramaphosa und Zumas Exfrau Nkosazana Dlamini-Zuma gerechnet. Abstimmungsberechtigt waren 4700 Delegierte. Die Abstimmung hatte am Sonntagabend begonnen. Delegierte verbrachten die Nacht auf dem Fußboden des Konferenzzentrums in Johannesburg oder schliefen auf Stühlen, während sie darauf warteten, ihre Stimme abgeben zu können.

Zu Beginn des Parteitags warnte Zuma vor der drohenden Spaltung des ANC und erklärte, das sei die größte Bedrohung für die Organisation. «Einheit ist das, was den ANC und Südafrika erfolgreich macht», sagte Zuma.