Ralf Schumacher: Ausstieg von Mercedes aus der Formel 1 möglich

Christian Nimmervoll

Der Daimler-Konzern rund um seinen Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius muss in der Coronavirus-Pandemie darüber entscheiden, ob eine Fortsetzung des Formel-1-Engagements über das Saisonende 2020 hinaus Sinn ergibt. Und geht es nach Ralf Schumacher, ehemaliger Grand-Prix-Pilot unter anderem bei Williams-BMW und heute TV-Experte bei Sky, dann ist ein Ausstieg zumindest nicht ausgeschlossen.

"Ich glaube, dass es die Möglichkeit gibt", antwortet er im Interview mit der 'Bild'-Zeitung auf die Frage, ob ein Werksteam wie Mercedes durch die Coronakrise am Jahresende aus der Formel 1 aussteigen könnte. Und er erklärt: "Wir hatten das ja schon mal mit BMW vor über zehn Jahren. Die Möglichkeit besteht immer."

Für einen Weiterverbleib in der Formel 1 spricht seiner Meinung nach, dass "der neue Konzernchef Ola Källenius grundsätzlich pro Motorsport eingestellt ist. Durch die Erfolge in den letzten Jahren ist die Formel 1 für Mercedes auch weiter gut darstellbar. Es wird jetzt also nicht der erste Schritt sein auszusteigen."

"Interessant" findet Schumacher "die Situation um Toto Wolff". Der Vertrag des Mercedes-Teamchefs läuft Ende 2020 aus. Inzwischen hat er umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro in Aktien des britischen Sportwagenherstellers Aston Martin investiert. Wolff betont aber, das sei ein reines Finanzinvestment und habe nichts mit seinem Engagement mit Mercedes zu tun.

"Mal schauen, ob der nach dem bekanntgewordenen Investment bei Aston Martin überhaupt zurück an den Kommandostand kommt", spekuliert Schumacher. "Wenn Mercedes aufgrund von internen Problemen auseinanderbricht, bin ich gespannt, ob sie ihre Leistung halten können. Das ist auch ein spannendes Thema, was da auf uns zukommt."

Wolff selbst will sein Engagement bei Aston Martin nicht überbewertet wissen. Dieses vertrage sich "sehr gut" mit seiner Rolle bei Mercedes: "Wir werden das neue Aston-Martin-Team mit unseren Motoren beliefern, und in der Serie machen wir das Gleiche. Die Aston-Martin-Straßenautos haben Mercedes-Motoren. Außerdem hält Daimler fünf Prozent an Aston Martin", sagt er in einem Interview mit der Tageszeitung 'Österreich'.

Dass er gerade jetzt in Aston Martin investiert, erklärt Wolff so: Der Aktienkurs stehe "sehr tief", die Produktlinie sei "toll", und den neuen Aston-SUV DBX bezeichnet er als "richtig lässiges" Auto. "Nach Corona", vermutet Wolff, "wird wieder eine ganz normale Zeit kommen, in der man auch wieder Autos kauft."

Gleichzeitig betont er: "Es handelt sich um ein persönliches Finanzinvestment in einen Automobilhersteller, das nichts mit der Formel 1 zu tun hat." Und angebliche Gerüchte, wonach er gemeinsam mit Lewis Hamilton von Mercedes zu Aston Martin wechseln könnte, schmettert er "a la Niki Lauda" ab: "Totaler Schwachsinn!"

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.