Ralf Schumacher über Vettel und Ferrari: Bruch kam schon 2019 in Monza

Ruben Zimmermann
·Lesedauer: 3 Min.

Es ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Sebastian Vettel und Ferrari 2020 stark gelitten hat. Vor allem die Art und Weise, wie er von der Scuderia abserviert wurde, kam beim viermaligen Weltmeister und seinen Fans alles andere als gut an. Experte Ralf Schumacher glaubt allerdings, dass es die Probleme nicht erst seit diesem Jahr gibt.

"Fakt ist, man ist von Beginn an mit Vettel nicht gut umgegangen", sagt er bei 'Sport1' und erklärt: "Der erste große Bruch war letztes Jahr schon in Monza, nachdem sich das Team in der Windschatten-Affäre hinter Leclerc gestellt hat. Man hat sich damals schon in diese Richtung konzentriert und das Auto immer mehr in Richtung Leclerc entwickelt."

Gemeint ist das Qualifying in Monza 2019, genauer gesagt der letzte Abschnitt. Dort sollte Vettel seinem Teamkollegen Charles Leclerc im ersten Run einen Windschatten spendieren, im zweiten Versuch sollte es umgekehrt sein. Doch daraus wurde nichts, weil Leclerc - wie viele andere Piloten auch - im zweiten Versuch zu lange bummelte.

Die Konsequenz: Der Monegasse startete am Sonntag von der Pole und gewann das Rennen schließlich auch, Vettel startete nur als Vierter und blieb nach einem Dreher sogar komplett ohne Punkte. Öffentlich wurde der Vorfall damals vom Team heruntergespielt, was Schumacher so interpretiert, dass man Leclerc damals schützen wollte.

Schumacher: Leclerc bringt das Team hinter sich

Der sechsmalige Grand-Prix-Sieger und heutige TV-Experte glaubt, dass man sich bei der Scuderia längst auf Leclerc als klare Nummer 1 festgelegt hat. Er erinnert: "Im letzten Jahr gab es Rennen, wo Vettel eine ganz andere Klasse war. Ich möchte nur an Kanada erinnern oder den Red Bull Ring. In Spielberg hatte er in diesem Jahr gar keine Chance."

"Das darf man nicht außer Acht lassen. Beide sind sehr unterschiedlich vom Fahrstil her. Was man Charles schon lassen muss, vielleicht wegen seines Managements oder weil er jünger ist: Er stellt sich gut auf die Situation ein. Wenn er Fehler macht, steht er dazu. Er ist in der Lage, das Ferrari-Team hinter sich zu bringen", erklärt Schumacher.

Für ihn steht fest: "Das Team hat sich wirklich auf einen Fahrer konzentriert und Vettel etwas außen vor gelassen." Er glaubt allerdings nicht, dass Vettel in diesem Jahr schlechteres Material als sein Teamkollege bekommt. "Es ist nicht zielführend, einen Fahrer zu benachteiligen, weil man von beiden Autos die Punkte braucht", erinnert er.

Warum eine Verschwörung keinen Sinn ergibt

"Das kann keiner beweisen und ist auch nicht zielführend", erklärt er im Hinblick auf entsprechende Verschwörungstheorien. Allerdings sei es durchaus so, dass Vettel an der Weiterentwicklung des Autos nun nicht mehr beteiligt sei, weil er das Team verlassen wird. "Ab einem bestimmten Punkt kriegt Vettel die Weiterentwicklung nicht mehr mit."

"Sebastian wird nur noch gesagt, was er unbedingt wissen muss", berichtet Schumacher aus eigener Erfahrung und erklärt, dass Vettels Wechsel zu Aston Martin 2021 "der richtige Schritt" für ihn sei. Er erklärt: "Es ist eine kleine kompakte Truppe, die ihn unbedingt haben will und seine Erfahrung schätzt. Das Team muss noch viel lernen."

"Die haben ein super Paket entwickelt und das Auto hat deutlich mehr Potenzial, als es das manchmal zeigt", so Schumacher, der das Team bestens kennt. 1997 gab er sein Debüt in der Formel 1 für Jordan, also für jenes Team, welches später als Force India an den Start ging, aktuell den Namen Racing Point trägt und ab 2021 Aston Martin heißen wird.

Mit Bildmaterial von LAT.