Raketen-Fehlalarm sorgt im US-Bundesstaat Hawaii für Angst und Panik

Foto der automatischen Smartphone-Raketenwarnung

Ein Raketen-Fehlalarm hat die Menschen im US-Bundesstaat Hawaii in Angst und Schrecken versetzt. Ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes (EMA) verschickte am Samstag versehentlich eine automatische Nachricht auf alle aktivierten Handys, in der eindringlich vor einer ballistischen Rakete im Anflug gewarnt wurde. Viele Menschen suchten daraufhin in Panik Schutz. Es dauerte fast 40 Minuten, bis die Warnung zurückgenommen wurde. Nun soll das Warnsystem überarbeitet werden.

Handynutzer auf dem gesamten Pazifik-Archipel wurden am Morgen gegen 8.00 Uhr (Ortszeit, 19.00 Uhr MEZ) von der Push-Benachrichtigung in Großbuchstaben aufgeschreckt: "Bedrohung durch ballistische Rakete Richtung Hawaii. Suchen Sie sofort einen Schutzraum auf. Das ist keine Übung."

Viele Menschen suchten daraufhin in Panik nach Schutzmöglichkeiten - in Kellern, Badewannen, Schächten oder unter Matratzen. Der falsche Alarm wurde in sozialen Online-Netzwerken wie auch von Fernseh- und Radiosendern weiter verbreitet.

Obwohl Hawaiis Gouverneur David Ige, das Pazifik-Kommando der US-Streitkräfte und die EMA schon kurz darauf von einem Fehlalarm sprachen, dauerte es fast 40 Minuten, bis auf den Smartphones Entwarnung gegeben wurde. Laut EMA hatte ein Mitarbeiter während der Routinekontrolle des Systems nach einem Schichtwechsel versehentlich "den falschen Knopf gedrückt".

In der Bevölkerung von Hawaii löste der Fehlalarm vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen mit Nordkorea Panik aus. Pjöngjang hatte Ende November nach dem Test einer ballistischen Rakete mit besonders großer Reichweite erklärt, seine Raketen könnten nun das gesamte US-Gebiet erreichen. Daraufhin hatte Hawaii im Dezember erstmals seit dem Ende des Kalten Kriegs Sirenen getestet, die vor einem Atomangriff warnen.

Die Hawaiianerin Alison Teal sagte der Nachrichtenagentur AFP über den falschen Raketen-Alarm: "Das war der schlimmste Moment in meinem Leben." Erst kürzlich habe sie gehört, "dass es 20 Minuten dauert, bis eine Rakete aus Nordkorea hier einschlägt". Nichts sei so schrecklich wie eine Rakete, die "alle, die du kennst und liebst", töten könnte, sagte Teal.

Die 28-jährige New Yorkerin Lauren McGowan machte gerade Urlaub auf der Insel Maui, als die Warnung auf ihrem Smartphone aufblinkte. Mitarbeiter des Hotels hätten sie und andere Gäste sofort in den Keller geschickt, doch niemand habe eigentlich gewusst, "was da eigentlich vor sich geht".

Twitter-Nutzer Andy Priest schrieb, seine Eltern dachten schon, ihre letzte Stunde habe geschlagen - sein Vater habe gesagt, er wolle mit Blick auf das Meer sterben.

Auch einige Profigolfer beim internationalen PGA-Turnier in Honolulu waren aufgeschreckt. "Unter Matratzen in der Badewanne zusammen mit meiner Frau, dem Baby und den Schwiegereltern", schrieb US-Golfer John Peterson auf Twitter. "Bitte, lieber Gott, lass diese Bombendrohung nicht echt sein".

Mehrere hawaiianische Politiker verurteilten den Fehlalarm, der demokratische Senator Brian Schatz bezeichnete ihn als "unentschuldbar". Das Weiße Haus erklärte, US-Präsident Donald Trump sei informiert, und bezeichnete den Alarm als eine "Übung".

Der EMA-Chef von Hawaii, Vern Miyagi, entschuldigte sich für den verursachten "Kummer und die Sorgen". Das bisherige Verfahren werde ausgesetzt und überprüft, damit sich derartige Fehler nicht wiederholen, sagte er auf einer Pressekonferenz. Auf die Frage, ob der verantwortliche Mitarbeiter bestraft werde, antwortete Miyagi lediglich: "Dieser Mann fühlt sich schlecht. Er hat das nicht extra gemacht."

Der EMA-Chef versicherte ebenso wie Gouverneur Ige, dass künftig das Alarmsystem nicht mehr nur von einem einzigen Mitarbeiter aktiviert werden könne. Laut Ige brauchte es bis zur Entwarnung so lange, weil der Fehlalarm nicht automatisch zurückgenommen werden konnte. Der Gouverneur forderte, das US-weite Alarmsystem Amber, über das die Warnung verschickt wurde, müsse "professioneller" werden und Schutzvorrichtungen erhalten, um derartige Irrtümer auszuschließen.