Radsport: WM: Medaillenkandidat Degenkolb muss Start absagen

Die WM in Bergen/Norwegen hat gerade begonnen, da gibt es für den Bund Deutscher Radfahrer schon die erste herbe Enttäuschung. Medaillenkandidat John Degenkolb muss seinen Start im Straßenrennen erkrankt absagen.

Die WM in Bergen/Norwegen hat gerade begonnen, da gibt es für den Bund Deutscher Radfahrer schon die erste herbe Enttäuschung. Medaillenkandidat John Degenkolb muss seinen Start im Straßenrennen erkrankt absagen.

John Degenkolb musste die bittere Wahrheit notgedrungen akzeptieren - sein Traum vom Regenbogentrikot bleibt ein weiteres Jahr unerfüllt. "Ich bin extrem enttäuscht und traurig", sagte der 28-Jährige. Degenkolb ist einfach nicht fit genug, das WM-Straßenrennen in Bergen am kommenden Sonntag findet deshalb ohne den hoch gehandelten deutschen Hoffnungsträger statt.

Der einstige Sieger bei Paris-Roubaix und Mailand-Sanremo laboriert nach wie vor an den Folgen einer Atemwegserkrankung, die ihn im August zum frühzeitigen Ausstieg bei der Vuelta gezwungen hatte. Der Wahl-Hesse sorgte damit gleich zu Beginn der Titelkämpfe in Norwegen für den ersten herben Dämpfer beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR).

"Für uns ist das ein schwerer Schlag", sagte Vizepräsident Udo Sprenger. Und für Degenkolb das frustrierende Ende einer mit nur einem Sieg äußerst dürftigen Saison. Die überraschende Goldmedaille im Mannschaftszeitfahren für Top-Talent Lennard Kämna (21) mit seinem Team Sunweb war zumindest ein kleines Trostpflaster.

Der Thüringer Degenkolb wäre in Bergen als Kapitän und Medaillenkandidat ins Rennen gegangen - auf einem Kurs, der seinen Allroundfähigkeiten entspricht. Fast 280 km lang und hügelig ist die Strecke, ein Profil, das ihm eigentlich auf den Leib geschneidert ist. Aber eben nur in bester Verfassung. "Ich muss ehrlich sein, nicht nur gegenüber mir selbst, sondern auch gegenüber meinen Teamkollegen und dem Verband", sagte Degenkolb.

Degenkolb nicht topfit, Aussichten auf Edelmetall mau

Lange hatte der Klassikerspezialist mit sich gerungen, nach dem Vuelta-Aus nach Wegen gesucht, um sich in Bestform zu bringen. Degenkolb versuchte sich an mehreren Eintagesrennen, bestritt letzte Woche die Dänemark-Rundfahrt. Aber: "Ich habe gemerkt, dass ich nach wie vor nicht topfit bin. Genau das muss man aber sein, um ein entscheidendes Wörtchen um den Titel mitsprechen zu können."

Bei Degenkolbs Erkrankung handelt es sich zudem offenkundig nicht nur um eine Bronchitis, wie zunächst angenommen. Das legt die Einschätzung seines Mannschaftsarztes Jens Hinder beim Team Trek-Segafredo nahe. "Johns Atemwegsbeschwerden haben bei hoher Belastung nicht nachgelassen, und es bedarf weiterer Untersuchungen", sagte Hinder. Eine WM-Teilnahme sei in dieser Verfassung "aus medizinischer Sicht nicht ratsam".

Degenkolbs Verzicht schmälert die deutschen Aussichten enorm. Es steht bis auf den amtierenden Meister Marcus Burghardt kein Fahrer mehr im Aufgebot, der schon einmal ein Eintagesrennen vergleichbarer Art gewonnen hat. Und der Erfolg des Sachsen beim Halbklassiker Gent-Wevelgem ist bereits zehn Jahre her. Degenkolbs Ersatzmann Johannes Fröhlinger (Gerolstein) fungiert als reiner Helfer. Dennoch meinte Sprenger tapfer, dass der BDR "nicht chancenlos" sei. Aber eine Medaille wäre nun eine große Überraschung.

Am ehesten dürften der Buchholzer Nikias Arndt nach seinem beeindruckenden Debüt bei der Tour de France oder Zeitfahr-Spezialist Tony Martin mit einer Soloattacke zum Erfolg kommen können. Einen festen Kapitän wird es im deutschen Team aber nicht geben.

So bleibt wohl auch die schier endlose Suche nach einem Nachfolger für Rudi Altig ohne Erfolg. 51 Jahre ist es nun her, dass Deutschland zuletzt einen Profi-Weltmeister auf der Straße stellte.

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