Radsport: Deutsche Radprofis sind stolz

Marcel Kittel ließ den Blick über den Pariser Prachtboulevard Champs Élysées schweifen und lächelte zufrieden. Nach seinem sturzbedingten, vorzeitigen Aus bei der 104. Tour de France nahm der deutsche Top-Sprinter zwar nicht wie erhofft das Grüne Trikot auf dem Podest in Empfang, mit einem Glas Champagner im Kreis der Teamkollegen und angesichts einer erfolgreichen Bilanz wollte sich aber längst kein Frust mehr einstellen.

Marcel Kittel ließ den Blick über den Pariser Prachtboulevard Champs Élysées schweifen und lächelte zufrieden. Nach seinem sturzbedingten, vorzeitigen Aus bei der 104. Tour de France nahm der deutsche Top-Sprinter zwar nicht wie erhofft das Grüne Trikot auf dem Podest in Empfang, mit einem Glas Champagner im Kreis der Teamkollegen und angesichts einer erfolgreichen Bilanz wollte sich aber längst kein Frust mehr einstellen.

"Ich glaube, wir können wieder sehr, sehr stolz sein auf die Tour", sagte Kittel, der im Alleingang für die fünf deutschen Etappensiege bei der Tour 2017 gesorgt hatte, dem SID in Paris. Seine Siegesserie, dazu steigende TV-Quoten und ein Millionenpublikum entlang der Straße beim Grand Départ in Düsseldorf - der bereits vor Jahren eingeleitete Aufwärtstrend im deutschen Radsport setzte sich auch in diesem Jahr unvermindert fort.

"Wir haben als Sportler immer gesagt, dass der Radsport in Deutschland nicht tot ist", sagte auch Sprint-Rivale André Greipel. Der gebürtige Rostocker vom Team Lotto-Soudal war zwar ohne Etappensieg geblieben, erzielte mit vier Top-3-Resultaten dennoch ein respektables Ergebnis.

Auch das deutsche Team Bora-hansgrohe mit zwei Etappensiegen und das zumindest in Deutschland lizenzierte Team Sunweb, das in Warren Barguil (Frankreich/Berg) und Michael Matthews (Australien/Grün) vier Etappen und zwei Sonderwertungen gewann, trugen maßgeblich zum deutschen Erfolg bei.

Auftaktwochenende brennt sich ins Gedächtnis

Nachhaltig ins Gedächtnis der deutschen Fahrer brannten sich die Erlebnisse beim Auftaktwochenende in Düsseldorf ein. Was sich in der Landeshauptstadt und anderen Orten Nordrhein-Westfalens abspielte, erinnerte an die Radsport-Hochburgen Niederlande, Belgien oder Frankreich. "Wir hatten einen Riesenstart in Deutschland, das war Wahnsinn. Die Fans haben uns wirklich gefeiert, es war wirklich cool", sagte Kittel.

Der Radsport in Deutschland, so scheint es, hat sich angesichts der bereits über Jahre andauernden Erfolgsserie deutscher Fahrer von der dunklen Vergangenheit emanzipiert - auch dank des stets offensiv vorgetragenen Anti-Doping-Bekenntnisses der neuen Generation deutscher Fahrer.

Aufschwung der TV-Quoten

Messbar ist der Aufschwung bei den Quoten der TV-Sender. Sowohl die ARD als auch Eurosport verzeichneten einen Zuschauerzuwachs. Der Spartensender verkündete für die gesamte Tour eine Steigerung gegenüber 2016 um 37,5 Prozent.

Dennoch bleibt abzuwarten, ob es sich beim jüngsten Aufschwung um eine Momentaufnahme handelte. Nur zwei Eintagesrennen auf höchster Ebene finden jährlich in Deutschland statt, im kommenden Jahr soll die Neuauflage der Deutschland-Tour das Interesse befeuern.

Kittel kann sich bereits im kommenden Monat von den Auswirkungen der Tour de France in Deutschland überzeugen. Am 20. August startet der Sprinter mit großen Ambitionen bei den Cyclasscis in Hamburg.

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