Radikalislamische Taliban wollen an UN-Generaldebatte teilnehmen

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UN-Generaldebatte (AFP/Eduardo MUNOZ ALVAREZ)

Die neuen Machthaber am Hindukusch wollen ihr Land auch im internationalen Dialog vertreten: Die radikalislamischen Taliban haben eine Teilnahme an der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York verlangt. Wie UN-Sprecher Stephane Dujarric am Dienstag mitteilte, ging ein entsprechendes Schreiben von Taliban-Außenminister Amir Khan Muttaki am Vortag bei den Vereinten Nationen ein. Auch der abgesetzte afghanische UN-Botschafter Ghulam Isacsai habe um eine Teilnahme gebeten.

Das Schreiben von Muttaki trug nach Angaben der Vereinten Nationen den Briefkopf des Außenministeriums des "Islamischen Emirats von Afghanistan". Darin heißt es demnach, der afghanische Präsident Aschraf Ghani sei am 15. August abgesetzt worden und werde im Ausland nicht mehr als Staatschef des Landes anerkannt. Auch die Mission des bisherigen afghanischen Botschafters bei den Vereinten Nationen, Isacsai, sei beendet. Als neuer Botschafter sei Mohammed Suhail Schahin nominiert worden.

Aus dem Schreiben ging nach Angaben des Sprechers nicht hervor, ob Muttaki nach New York reisen wolle, oder ob die Taliban eine aufgezeichnete Videobotschaft einreichen würden, wie es viele Teilnehmer in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie tun.

Der UN-Sprecher sagte auch, dass UN-Generalsekretär António Guterres ein weiteres Schreiben von Isacsai erhalten habe, dieses enthalte eine Liste der afghanischen Delegation für die Sitzung. Ein aus neun Mitgliedsländern bestehender Ausschuss zur Prüfung der Anträge werde nun beide Schreiben prüfen. Dieses Komitee, dem unter anderen die USA, Russland und China angehören, soll entscheiden, wer bei der Generaldebatte die Rede für Afghanistan halten wird.

Die Islamisten hatten Mitte August inmitten des US-Truppenabzugs aus Afghanistan die Macht in dem Land wieder an sich gerissen. Sie bildeten in der Folge eine Übergangsregierung. Bislang hat noch kein Land die Taliban-Regierung anerkannt, einige Staats- und Regierungschefs haben sich aber positiv dazu geäußert.

Die Generaldebatte der UN-Vollversammlung hatte am Dienstag begonnen. An dem einwöchigen diplomatischen Spitzentreffen nehmen rund hundert Staats- und Regierungschefs und zahlreiche Außenminister teil.

gap/jep

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