Racing Point: FIA hat "pinken Mercedes" bei Werksbesuch überprüft

Stefan Ehlen

Ist das eigentlich legal? Das haben sich nach den Formel-1-Wintertests in Barcelona nicht nur Fans gefragt, sondern auch Funktionäre aus dem Fahrerlager. Denn der "pinke Mercedes", der neue Racing Point RP20, erweckt den Eindruck, nach den Bauplänen des letztjährigen Mercedes W10 entstanden zu sein. Das hat das Team aber sofort dementiert.

Im Gespräch mit 'Autosport' erklärt Racing-Point-Technikchef Andrew Green nun, seine Mannschaft habe rein gar nichts zu befürchten, weil man überhaupt nichts falsch gemacht habe. Davon hätte sich unlängst sogar der Automobil-Weltverband (FIA) überzeugt.

"[Mitarbeiter vom] Weltverband [kamen] in unser Werk und haben sich das Design des Autos angesehen", sagt Green. "Man nahm sogar die Designdaten des letztjährigen Mercedes zur Hand und glich sie mit unseren Daten ab. Die FIA hat also eine gründliche Überprüfung durchgeführt."

RP20 vs. W10: nur "ähnlich" oder "gleich"?

Das Ergebnis sei: Ein Regelverstoß liege nicht vor. Racing Point habe sich nicht fremdes Gedankengut zu eigen gemacht. Der Weltverband sei vielmehr "völlig überzeugt" davon, "dass wir ein Auto gebaut haben, das auch von uns designt worden ist", meint Green. Die FIA hat Greens Aussagen auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' bestätigt.

Wird Racing Point mit dem RP20 in diesem Jahr sogar zum Favoritenschreck?

Wird Racing Point mit dem RP20 in diesem Jahr sogar zum Favoritenschreck? LAT

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Racing Point habe, vor allem dank der Investoren um Lawrence Stroll, "zum ersten Mal mit einem weißen Blatt Papier" angefangen. Dabei ging es laut Green darum, "das Material, das wir von Mercedes einkaufen, zu optimieren". Sprich: Den Mercedes-Antriebsstrang bestmöglich in ein Mercedes-ähnliches Chassis zu integrieren.

Green erwartet keinen Protest

"Es schien logisch zu sein", genau das zu tun, meint Green. Das sei wesentlich sinnvoller und erfolgsversprechender, als beharrlich auf eigene Konzepte zu setzen. Die Denkweise seines Teams sei gewesen: "Warum nicht einfach [Antrieb und Designphilosophie] miteinander verknüpfen?"

Genau so entstand der RP20, der "pinke Mercedes", der bei den Testfahrten auch mit guten Zeiten für Aufsehen sorgte. Sollte er sich in den Rennen ähnlich erfolgreich schlagen, die Kritik der Konkurrenz könnte erneut aufflammen.

Doch Green wähnt sich mit dem "FIA-Gütesiegel" auf der sicheren Seite: "Wir sehen wirklich keine Grundlage, auf deren Basis jemand über einen Protest nachdenken sollte."

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.