Racing Point: Corona hat Lance Stroll aus der Bahn geworfen

Maria Reyer
·Lesedauer: 3 Min.

Seit dem Grand Prix von Italien scheint Lance Stroll in einer Abwärtsspirale gefangen zu sein, seither kam er nicht mehr in den Top 10 ins Ziel. Dreimal schied er aufgrund von Unfällen aus, hinzukam seine Corona-Infektion. Der Kanadier sei daher im Moment weder körperlich noch mental in Topform.

"Er ist nicht in der Form, in der er war. Wenn man ihn mit dem Lance in Monza vergleicht, dann fehlt ihm definitiv Selbstvertrauen", analysiert Racing-Point-Technikchef Andrew Green. "Daran müssen wir in den nächsten Wochen arbeiten, damit er wieder auf die Höhe kommt."

Green ist davon überzeugt, dass ihn die Infektion nach dem Grand Prix von Russland aus der Bahn geworfen hat. "Das konnten wir nicht vorhersehen. Wir haben gehört, dass es lange Zeit dauern kann, bis man sich von einer Infektion erholt. Und ich glaube, das braucht noch Zeit."

<span class="copyright">Steven Tee / Motorsport Images</span>
Steven Tee / Motorsport Images

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"Ich denke, das hat auch gestimmt." Zwar hat Stroll nur milde Symptome gezeigt und ist mittlerweile wieder einsatzfähig, dennoch sei er geistig noch nicht dort, wo er vor ein paar Rennen war. "Jetzt muss er einfach wieder ein paar Rennen fahren."

Stroll schien in den vergangenen Rennen deutlich hinter Teamkollegen Sergio Perez zurückzufallen. Auch im Grand Prix der Emilia-Romagna war er aufgrund eines frühen Schadens am Frontflügel hoffnungslos am Ende des Feldes zu finden. Am Ende wurde er 13.

"In der Formel 1 gibt es nur sehr geringe Abstände. Wenn man da nicht Herr über das Auto ist und versteht, wie die Reifen funktionieren und wie man den 'sweet spot' tritt, dann sieht man schnell wie ein Idiot aus." In den Qualifyings lag er zuletzt in Portimao und Imola ebenso rund vier Zehntelsekunden hinter Perez zurück.

Änderungen waren "falsche Entscheidung"

"Wir müssen ihn wieder in die Spur bringen. Wir haben die richtigen Leute und Werkzeuge dafür", ist Green überzeugt. Er weiß, wie er mit Stroll umgehen muss. "Er braucht womöglich einfach nur einen Arm um die Schulter und eine Umarmung."

Im RP20 fühlte sich der 22-Jährige ebenso unwohl, weshalb die Mannschaft Änderungen an der Aufhängung vornahm. "Aufgrund seiner Kommentare dachten wir, dass es etwas mit der Aufhängung zu tun haben könnte. Er hat daher auf einen Teil einer anderen für dieses Rennen gewechselt. Das war aber wohl eine schlechte Entscheidung."

Das sei ein Teil der Unsicherheit, mit der Stroll derzeit zu kämpfen habe. "Er hinterfragt das Auto, was geändert wurde und will sichergehen, dass es nichts ist, was wir geändert haben." Aufgrund des straffen Zeitplans in Imola konnte Racing Point nicht erneut auf eine andere Konfiguration wechseln.

"Im Nachhinein wird er glücklich damit sein, dass wir wieder zur ursprünglichen Variante zurückgehen. Und ich denke, das war Teil dieser Nervosität beim Einlenken am Scheitelpunkt." Damit hatte er an diesem Wochenende zu kämpfen, das werde das Team wieder "ausbügeln", betont Green.

"Die vorherige Version war ein wenig träge und langsam. Er wollte es ein wenig reaktiver, nun ist das Auto aber zu reaktiv gewesen." Diese Lektion habe Stroll in Imola gelernt. Denn: Das Fahrverhalten wirkt sich auf die Reifen aus. Jeder Rutscher am Kurveneingang "bestrafe" den Fahrer.

"Wenn du keine Balance hast, die sehr sanft mit dem Reifen umgeht, dann leidest du in allen Kurven. Ich glaube, das war Teil des Problems", analysiert Green. Ein ganz anderes Problem ereignete sich in der Box: Stroll verschätzte sich und fuhr einen Mechaniker um.

Das Team meldete schon kurz daraufhin Entwarnung. Wie geht es dem Crewmitglied? "Ich habe kein Update. Ich weiß nur, dass er vom medizinischen Personal untersucht wurde und wieder zur Truppe zurückgekehrt ist."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.