Rabbiner sagen Telefonat mit Trump ab

Rabbiner fordern von Trump ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus. (Bild: AP Photo)

Mit diesem Affront setzen vier große Rabbiner-Organisationen in den USA ein Zeichen. Sie verweigerten Präsident Donald Trump das traditionelle Telefonat zum jüdischen Feiertag Jom Kippur. Der Grund: Trumps Relativierung der Neonazi-Demonstration in Charlottesville.

Diese Telefonkonferenz hat Tradition. Vor dem jüdischen Neujahrstag Rosch Haschana und dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur Ende September telefoniert der US-Präsident mit Hunderten von Rabbinern im ganzen Land. Nun aber steht diese Praxis auf der Kippe. Vier große Rabbiner-Organisationen haben angekündigt, die Telefonkonferenz in diesem Jahr nicht zu organisieren. Die Begründung: Trumps Aussagen nach den tragischen Ereignissen in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia hätten es an moralischer Führung und Mitgefühl für die Opfer rassistischen und religiösen Hasses fehlen lassen.

Präsidententochter Ivanka Trump und Ehemann Jared Kushner sind jüdischen Glaubens. (Bild: AP Photo)

„Die Worte des Präsidenten haben jenen, die Antisemitismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit propagieren, Vorschub geleistet“, teilten die „Central Conference of American Rabbis“, „The Rabbinical Assembly“, die „Reconstructionist Rabbinical Association“ und das „Religious Action Center of Reform Judaism“ in einer gemeinsamen Erklärung mit. Trump hatte in einer viel kritisierten Aussage die Schuld an der Gewalt in Charlottesville „vielen Seiten“ zugewiesen. Zudem betonte der Präsident, auch unter den Demonstranten hätten sich anständige Menschen befunden. Bei dem Aufmarsch von Neonazis und Mitgliedern des Ku-Klux-Klans war die Gegendemonstrantin Heather Heyer von einem Neonazi überfahren worden.

Die vier Organisationen vertreten nach Angaben der „New York Times“ mehr als 4000 Rabbiner und Kirchengemeinden unterschiedlicher Strömungen innerhalb des Judentums. Dem Bericht zufolge war zunächst unklar, ob das Telefonat nun überhaupt stattfinden wird. Der Anruf zu den jüdischen Feiertagen war unter den Präsidenten Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama zur Tradition geworden. Demonstranten waren Mitte August mit brennenden Fackeln durch Charlottesville marschiert und hatten unter anderem „Juden werden uns nicht ersetzen“ skandiert. Trumps Schwiegersohn und enger Berater Jared Kushner ist Jude. Trumps Tochter Ivanka ist zum jüdischen Glauben konvertiert.