Rückversicherer kommt glimpflich davon

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Rückversicherer kommt glimpflich davon

Rückversicherer leiden unter Überkapazitäten und hohem Preisdruck. Entsprechend durchwachsen fallen die Zahlen der Munich Re aus. Dabei profitiert der Konzern von geringeren Schäden – und dem überraschenden Ergo-Ergebnis.


Die gute Laune war Markus Rieß schon vor zwei Monaten anzumerken. „Bis zum Jahresende werden Netto-Kosteneinsparungen von knapp 100 Millionen Euro erreicht sein“ sagte der Chef des Düsseldorfer Erstversicherers Ergo damals. Der für 2021 angepeilte Gewinnbeitrag von rund 600 Millionen Euro, den die Münchener-Rück-Tochter zum Konzernergebnis beisteuern soll, sei „ultrakonservativ“ gerechnet.

Dass Rieß auf einem guten Weg ist, sein Ziel zu erreichen, zeigten am Mittwoch die Zahlen der Mutter Munich Re. In denen wies Ergo, das einstige Sorgenkind im Konzern, einen Gewinn von 195 Millionen Euro aus. Im vergangenen Jahr stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 30 Millionen Euro.

Grund dafür war zum einen eine Steuergutschrift in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Zum anderen wird jetzt aber auch wieder in jedem Segment Geld verdient. Die Schaden-Kosten-Quote im internationalen Geschäft, die im zweiten Quartal des vergangenen Jahres bei ungünstigen 101,5 Prozent lag, ist auf 98,7 Prozent gesunken. Die Quote beschreibt das Verhältnis von ausgezahlten Schäden zu Beitragseinnahmen.


Belastend für die Mutter Munich Re bleibt jedoch, dass die Rückversicherungsbranche seit Beginn der Niedrigzinsphase vor sieben Jahren darunter leidet, dass beispielsweise Hedgefonds den Markt auf der Suche nach Rendite mit Geld überschwemmen und so die Preise drücken. Deswegen will der weltgrößte Rückversicherer nach eigenem Bekunden lieber weiter auf Geschäft verzichten, als Risiken zu billig zu versichern.

So war das Prämienvolumen in der Erneuerungsrunde im April rückläufig. Und auch im Juli, als die Verträge auf dem wichtigen US-Markt neu verhandelt wurden, gab es viel Wettbewerb. So sanken die gebuchten Rückversicherungsbeträge von April bis Juni um 2,1 Prozent auf 7,659 Milliarden Euro. Und auch in der Erneuerungsrunde zum 1. Juli, in der es vor allem um Verträge in den USA, Australien und Lateinamerika ging, gaben die Preise leicht nach.

Auch der Gewinn geriet entsprechend unter Druck und fiel im Vergleich zum Vorjahr von 1,41 Milliarden Euro auf 1,29 Milliarden Euro. Das Konzernziel liegt dennoch weiter bei 2 bis 2,4 Milliarden Euro, das war bereits die Zielgröße, die vom alten Vorstandschef Nikolaus von Bomhard ausgegeben wurde. Sein Nachfolger Joachim Wenning wertet das Halbjahresergebnis dennoch positiv. „Unsere Strategie stimmt und wir können uns auf deren Umsetzung durch Erschließen profitablen Neugeschäfts konzentrieren“, so sein Urteil zu den Zahlen. Die Anleger werteten das positiv, die Aktie trat zu Beginn des Handels auf der Stelle, während der Dax gut ein Prozent verlor. Es gehe nun darum, das Ergebnis zu stabilisieren, so Wenning: „Die Ambition ist, dass wir die Erträge auf dem 2017er-Niveau stabilisieren“.

Zugute kam seinem Konzern zumindest die geringere Zahl und Heftigkeit an Unwettern im ersten Halbjahr. Weltweit betrug die Schadenssumme durch Naturkatastrophen nur noch 41 Milliarden Dollar. Damit jedoch blieben die weltweiten Schäden diesmal weit unter denen des Vorjahres sowie unter dem langfristigen Durchschnitt: Im Vorjahreszeitraum summierten sich die Schäden auf 111 Milliarden Dollar, im zehnjährigen Schnitt auf 102 Milliarden und im 30-jährigen Durchschnitt sind es immer noch 66 Milliarden Dollar. Eine so niedrige Schadensumme wie in den ersten sechs Monaten 2017 wurde weltweit zuletzt vor elf Jahren gemessen.


Die Gesamtbelastung an Großschäden lag im ersten Halbjahr bei 656 Millionen Euro und damit kaum höher als im Vorjahr. Speziell im zweiten Quartal lagen die Schäden aus Naturkatastrophen bei lediglich 66 Millionen Euro nach 335 Millionen ein Jahr davor. Größte Belastung war ein Gewittersturm in den USA im Mai, der mit 25 Millionen Euro zu Buche schlug.

Grund zur Entwarnung ist das aber nicht. Eher war es Zufall, dass das erste Halbjahr so schadensarm war. Dass hier trotzdem je nach Engagement in betroffenen Ländern hohe Schadensforderungen drohen können, zeigte zuletzt Wettbewerber Swiss Re. Der Wirbelsturm Debbie in Australien belastete den Rückversicherer mit 360 Millionen US-Dollar.