Rückrufe, Verluste: Airbag-Hersteller Takata insolvent

Der japanische Airbag-Hersteller Takata hat wegen der Folgen eines gewaltigen Rückruf-Desasters Insolvenz in Japan und den

USA angemeldet. Neben dem Mutterkonzern in Tokio werde die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt, so der 1933 gegründete Konzern.

Grund sind immense Kosten und Verbindlichkeiten wegen millionenfacher Rückrufe.

Unternehmen: Tödliche Geschosse – das sind die Gründe für die Takata-Pleite pic.twitter.com/sFlUSXCTaS— Matthias-Schomber (@der_trader_at) 26 juin 2017

Der Schaden wird auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt. Mit dem Airbag-Skandal werden mindestens 16 Todesfälle wegen defekter Aufblasvorrichtungen in Verbindung gebracht. Mehr als 100 Millionen Airbags wurden zurückgerufen, 70 Millionen allein in den USA. Takata hat zuletzt den dritten Jahresverlust in Folge eingefahren: In dem Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr steht ein Minus von umgerechnet 640 Millionen Euro in den Büchern.

Zur Finanzierung eines Restrukturierungsplans soll Takata für rund 1,4 Milliarden Euro an den

chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS)verkauft werden. Durch den geplanten

Zusammenschluss von nahezu allen Bereichen von Takata und KSS entstünde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60.000 Mitarbeitern in 23 Ländern.

Takata hatte im Januar mit den US-Behörden eine Einigung im Airbag-Skandal erzielt. Das Unternehmen gab

kriminelle Vergehen zu, zahlt unter anderem eine Milliarde Dollar und stellt sich drei Jahre lang unter die Aufsicht eines unabhängigen Prüfers. Laut Anklage sollen mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken

mangelhafter Airbags verschleiert worden sein.

Lange Zeit hatte die Gründerfamilie versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden – sie hielt bisher 60 Prozent der Anteile. Die Autohersteller bestanden jedoch auf einem

Insolvenzverfahren.

Die Aktien von Takata wurden am Montag vom Handel in Tokio ausgesetzt. Sie sollen laut Medienberichten am Dienstag vom

Börsenzettel gestrichen werden.

Weltweite Geschäftstätigkeit und Lieferungen an Kunden sollen auch nach den Insolvenzverfahren ohne Unterbrechung fortgeführt

werden, auch die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Airbag-Rückrufe. Die Verfahren in den USA und Japan hätten keine wesentlichen negativen Auswirkungen

auf Takata in Europa, hieß es. In Europa sei nicht geplant, Insolvenzverfahren einzuleiten.

su mit dpa