Rückblick: Das letzte Formel-1-Rennen in Zandvoort 1985

Casper Bekking

Zwischen 1948 und 1985 fanden bereits einige Große Preise in den Niederlanden statt. Erstmals 1952 im Formel-1-Kalender vertreten, gab es das Rennen bis 1985, bevor es für 35 Jahre aus der Königsklasse verschwinden sollte. Beim vorerst letzten Rennen traten Stars wie Alain Prost, Niki Lauda und Ayrton Senna in den niederländischen Dünen an.

Natürlich gehört zu einem Grand-Prix-Wochenende in Zandvoort auch ein ordentlicher Regenschauer. Da es am Samstag nass war, wurde die Startaufstellung aus dem Ergebnis des Freitags gebildet. Nelson Piquet stand auf der Pole-Position vor Keke Rosberg, Alain Prost und Ayrton Senna.

Die anderen Namen in den Top 10? Teo Fabi, Patrick Tambay, Nigel Mansell, Thierry Boutsen, Marc Surer und Niki Lauda. Die beiden Ferraris von Michele Alboreto und Stefan Johansson waren nur auf 16 und 17 zu finden. Ganz am Ende der Startaufstellung gab es einen Niederländer: Huub Rothengatter.

Der Sonntag fand unter trockenen Bedingungen statt, zur Erleichterung von Reifenhersteller Goodyear. Denn der Regenreifen hatte keine tolle Qualität, wie sich in den nassen Sessions am Samstag herausgestellt hatte.

Weil es am Samstag nass war, zählte der Freitag für die Startaufstellung

Weil es am Samstag nass war, zählte der Freitag für die Startaufstellung Rainer Schlegelmilch

Rainer Schlegelmilch

Polesitter Piquet verpatzte den Start und würgte seinen Brabham ab. Mit der Hilfe einiger Streckenposten konnte er sich hinter dem Feld wieder einreihen. Auch Boutsen kam nur mit Hängen und Würgen weg und fiel zurück. An der Spitze konnte Rosberg profitieren, mit Senna, Prost und dem überraschenden Fabi im Schlepptau. Durch die richtige Linienwahl war Lauda bereits auf Rang sechs geklettert.

Teo Fabi schien von der ihm ungewohnten Situation an der Spitze des Feldes nicht beeindruckt zu sein und ging mit einem schönen Bremsmanöver in der Tarzanbocht an Prost vorbei. Lauda setzte sich derweil von Surer ab und machte ebenfalls Jagd auf den Franzosen.

Viele Probleme an der Spitze

In den ersten Runden gab es noch mehr Spektakel: Bei beiden Alfa Romeos ging der Turbolader hoch, und Pierluigi Martini flog mit seinem Minardi von der Strecke. Prost übernahm wenige Runden später den Platz von Fabi wieder, während die Ferraris schnell nach vorne stürmten. In der zehnten Runde war Alboreto vor Johansson Neunter, doch der Schwede musste kurz darauf mit einem Motorschaden aufgeben.

Die beiden McLarens eröffneten die Jagd auf Senna, der die Lücke zu Spitzenreiter Rosberg seinerseits auf ein paar Sekunden verringerte. Rosbergs weiche Reifen hatten die beste Zeit bereits hinter sich, genau wie auch der Renault-Motor in Sennas Lotus. Plötzlich verlor der Brasilianer an Geschwindigkeit und musste Prost und Lauda passieren lassen. Kurz danach hatte der Motor plötzlich wieder volle Leistung.

Auch für den starken Fabi lief es schief: Durch ein Problem mit dem Hinterrad musste er aufgeben und konnte sich die schöne Punkteplatzierung abschreiben.

In Runde 21 übernahm Prost die Führung von Rosberg, als der Honda-Motor des Finnen kaputt ging. Wenig später holte sich Lauda in der Box neue Reifen ab, während Senna den Druck erhöhte. Prost führte vor Senna und den überraschenden Renaults von Warwick und Tambay, die beide an Mansell vorbeigegangen waren.

Unglücklicherweise schieden die beiden innerhalb von fünf Runden aus: Tambay mit einem Differentialschaden und Warwick mit einem Getriebeproblem. Gerüchte im Paddock besagten, dass die beiden mit sehr wenig Sprit gefahren waren, um die Bosse im Hauptquartier zu beeindrucken, und es ohnehin nicht ins Ziel geschafft hätten.

Nach den Boxenstopps von Senna und Mansell hatte Prost eine komfortable Führung vor dem starken Alboreto. Lauda machte nach seinem Stopp aber Boden gut und schnappte sich Rang drei von Surer. Auch Senna nutzte die neuen Reifen - der Undercut war schon damals ein bekanntes Phänomen.

Der letzte Sieg von Niki Lauda

McLaren wartete nicht darauf, dass die anderen auf Prost aufholen konnten, und holte den Franzosen an die Box. Doch das Team versaute den Boxenstopp und Lauda und Senna kamen vorbei. Prost lag nun nicht weniger als zehn Sekunden hinter dem Lotus. De Angelis und Surer folgten, während Alboreto nach seinem Stopp aufholen konnte.

Senna verlor eine Menge Zeit beim Überrunden von Brundle und hatte Prost schnell in seinem Rückspiegel. Nachdem beide den Tyrrell überholt hatten, konnte Senna seinen Gegner nicht länger hinter sich halten.

Niki Lauda hatte lange Zeit Ayrton Senna hinter sich

Niki Lauda hatte lange Zeit Ayrton Senna hinter sich Motorsport Images

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Prost machte sich anschließend auf die Jagd nach seinem Teamkollegen und holte schnell auf. Acht Runden vor dem Ende hing er dem Führenden im Genick, sodass sich die Fans auf ein spannendes Finale freuen konnten. Der Österreicher unternahm alles, um seinen jungen Teamkollegen hinter sich zu halten.

Senna und Alboreto kämpften ebenfalls hart um den letzten Platz auf dem Podest. Am Ende kam es in beiden Fällen zu keinem Überholmanöver, wodurch Lauda seinen 25. Sieg einfahren konnte. Das brachte ihn auf eine Höhe mit Jim Clark, nur zwei Siege fehlten ihm zum damaligen Rekord von Jackie Stewart.

Prost und Senna standen ebenfalls auf dem Podium vor Alboreto, de Angelis und Mansell, der den letzten Punkt holte.

In der Meisterschaft übernahm Alain Prost die Gesamtführung, allerdings nur um drei Punkte. Hauptrivale Alboreto holte nach dem Lauf in den Niederländen keinen einzigen Punkt mehr und Prost konnte ungefährdet zum Titel spazieren.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.