Römisch-Germanisches Museum: Direktor geschockt über Sanierungsdauer – Stadt wehrt sich

Die Sanierung soll doppelt so lange dauern wie ursprünglich geplant.

Die Besucher des Römisch-Germanischen Museums (RGM) sollten sich das weltberühmte Dionysos-Mosaik und das Grabmal des Poblicius bis zum Ende des Jahres noch einmal ganz genau anschauen – denn danach wird es für eine sehr lange Zeit nicht mehr möglich sein.

Sechs Jahre und vier Monate Sanierung

Spätestens im Dezember wird das marode Gebäude am Roncalliplatz geschlossen, damit eine Generalsanierung beginnen kann, die sechs Jahre und vier Monate dauern soll – ein Zeitraum, der die Politiker im Kulturausschuss des Stadtrats entsetzt. Bislang waren sie alle davon ausgegangen, dass das Museum 2021 wiedereröffnen würde. So hatte es die Verwaltung bislang stets kommuniziert. Tatsächlich existieren noch nicht einmal die notwendigen Planungen, wie die Sanierung überhaupt ablaufen soll.

„Sind die eigentlich wahnsinnig – ich bin fast vom Stuhl gefallen“, sagt Ralph Elster, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU. „Es ist unfassbar, was in dieser Kulturverwaltung seit Jahren alles schief geht.“ Jeder sei davon ausgegangen, dass die Sanierung im Januar 2018 beginnen würde. „Wer zieht denn zuerst aus und beginnt erst dann zu planen, wie man das Gebäude umbauen will“, fragt Elster. Die Kulturverwaltung arbeite gegenüber der Politik mit einer Salamitaktik.

Stadt beginnt erst jetzt mit der Planung

„Mein erster Gedanke war, mein Gott, jetzt müssen wir auch noch sechs Jahre auf das RGM verzichten, das kann doch nicht sein“, sagt Klaus Schäfer (SPD). Die Stadt beginne erst jetzt mit der Planung, obwohl der Stadtrat bereits im Juli 2011 den Sanierungsbedarf anerkannt hatte. „Wir befürchten, dass es sogar noch länger dauern kann und haben der Stadt deshalb einen Fragenkatalog geschickt.“

„Das kam völlig überraschend, ich war schockiert“, sagt Brigitta von Bülow (Grüne). Es habe sie besonders geärgert, dass die Vorlage der Verwaltung verschwurbelt formuliert worden sei und als „dringlich“ vorgelegt wurde. Die Gesamtzahl von 76 Monaten wurde in dem Papier nicht genannt. Stattdessen waren einzelne Posten mit der jeweiligen Zeitdauer aufgeführt. Zusammengerechnet wurden diese allerdings nicht. Das mussten die Politiker selber erledigen. „Uns fehlen jetzt noch jede Menge Informationen“, sagt von Bülow.

Politiker entsetzt

FDP-Fraktionschef Ralph Sterck zeigt sich ebenfalls fassungslos angesichts der Verdoppelung der Sanierungsdauer. „Die kannst Du alle in einen Sack stecken und wenn Du mit dem Knüppel drauf haust, dann triffst Du immer den Richtigen“, sagte er. Die FDP fordere ein grundlegendes Überdenken der aktuellen Pläne. „Es muss alles unternommen werden, um einen Weiterbetrieb des RGM zu ermöglichen“, so Sterck. „Wir schlagen vor, dass das RGM eine interimistische Konzeption für einen Teilbetrieb entwickelt.“

In Zusammenarbeit mit den beteiligten Dienststellen könne die obere Etage geschlossen werden und ein Interim in der jetzigen Fläche für Sonderausstellungen konzipiert werden. So ließen sich möglicherweise auch das Poblicius-Grabmal und das Dionysos-Mosaik weiter zugänglich machen.

Auch der Direktor des RGM selbst zeigt sich von der Sanierungsdauer geschockt und überrascht. „Ich bin immer von drei Jahren ausgegangen, und es wäre sehr unglücklich für unser Haus, wenn sich die sechs Jahre bewahrheiten würden“, sagt Marcus Trier. Das RGM sei die Schatzkammer der Kölner Stadtgeschichte. „Deshalb ist es in unserem Interesse, wenn das Projekt doch schneller umzusetzen wäre“, so Trier.

Stadtverwaltung verteidigt Vorgehen

Die Stadtverwaltung verteidigt dagegen ihr Vorgehen. „Als von 2021 die Rede war, wurde die Sanierung nur grob untersucht“, sagt eine Stadtsprecherin. Eine tiefergehende Betrachtung habe jetzt erst den Zeitraum von mehr als sechs Jahren ergeben. „Das korrigiert die bisherigen Überlegungen.“

Michael Lohaus, Leiter des zuständigen Referats Kulturbauten, das bei der Kulturdezernentin angesiedelt ist, betont, dass man lediglich versucht habe, eine realistische Einschätzung zu geben. Dass es bislang keine Vorplanungen gebe, hänge damit zusammen, dass es immer wieder Änderungswünsche gegeben habe. Dazu gehöre die Schließung des Durchgangs am Eingang.

Bauaufsichtsamt erlaubt Weiterbetrieb bis Ende des Jahres

Ein weiteres Hindernis seien die Überlegungen gewesen, auf dem Nachbargrundstück ein neues Stadtmuseum zu bauen. „Es ist jetzt fünf vor zwölf, und die Politik muss sich endlich entscheiden“, sagt Lohaus. Das Bauaufsichtsamt erlaube einen Weiterbetrieb des Museums nur noch bis zum Ende des Jahres. „Wir haben da alles ausgereizt, jetzt ist Schluss“, so Lohaus.

Baudezernent Franz-Josef Höing will im Herbst bekannt geben, was der Bau einer „Historischen Mitte“ inklusive eines Stadtmuseums kosten wird. Danach soll die Ratspolitik entscheiden, ob das Vorhaben umgesetzt wird oder nicht. Die Sanierung des RGM ist aber unabhängig davon notwendig....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta