"Der Tatortreiniger" - Ohne Abitur aber mit viel Humor

Bjarne Mädel als Tatortreiniger Heiko “Schotty” Schotte (Bild: ONE)

Seit 2011 begeistert Bjarne Mädel in seiner Rolle als Tatortreiniger Schotty deutsche Serienfans. Situationskomik vom feinsten, herrliche Dialoge und absurde Handlungsstränge sind nur ein paar Gründe, warum man die Serie unbedingt gesehen haben sollte.

“Ich bin Tatortreiniger, mein Job fängt da an, wo andere sich vor Entsetzen übergeben!”

Besser kann man Heiko „Schotty“ Schottes Beruf nicht beschreiben. Schotty – gespielt von Bjarne Mädel – räumt im wahrsten Sinne des Wortes den Dreck anderer weg.

Was sich seltsam anhört, ist tatsächlich ein Beruf. Irgendwer muss schließlich das wegputzen, was Ermordete und Verstorbene an Körperflüssigkeiten hinterlassen. Genau das tut Schotty und trifft dabei auf die unterschiedlichsten Charaktere.

Grundsätzlich folgt jede Folge dem gleichen Muster: An einem neuen Tatort begegnet der Hauptdarsteller den unterschiedlichsten Nebendarstellern, die ihre Rollen gleichermaßen mit Bravour meistern wie Mädel selbst.

Video: “Mein Name ist Heiko Schootte und ich habe KEIN Abitur!”

Was die Serie ausmacht, erklärt Schotty bereits in der ersten Folge: In der Wohnung des ermordeten Herrn Bohlke trifft er beim Putzen des Badezimmers – das so aussieht, als wäre das Mordopfer darin explodiert – auf die Prostituierte Maja.

Es entspinnt sich eine Diskussion über “normale” Berufe. Maja findet Schottys Job nämlich alles andere als normal, der wiederum hat da eine ganz andere Vorstellung: Krawatten verkaufen wie Herr Bohlke zum Beispiel.

Schotty:
“Wenn sie um neun die Ladentür aufsperren, kommt schon der Erste: ‘Moin, ich brauch ‘ne Krawatte.’ Ja und fünf Minuten später, kommt schon der Nächste:

– ‘Guten Morgen, ich such eine Krawatte’
– ‘Was für ‘ne Krawatte suchen sie denn? Baumwollkrawatten oder Seidenkrawatten? Heute im Angebot sind gestreifte Krawatten. Links haben wir die gediegenen Krawatten, wir haben natürlich auch Freizeit-Krawatten. Ja, Moment, ich bin gleich bei Ihnen…was? Ja, natürlich auch pinkfarbene Krawatten!‘

Kommt schon der Nächste rein:

– ‘Guten Tach, ich such ‘ne Krawatte.’
– ‘Ja, was für ‘ne Krawatte suchen sie denn?’
– ‘Ich such’ 15 Krawatten für unseren Männerchor.’
– ‘Ah, da empfehlen ich ihnen diese grünen Krawatten hier oder vielleicht doch lieber die Pünktchen-Krawatten? Der Nächste bitte?’
– ‘Hallo, Ich such’ eine Krawatte.’

Krawatte, Krawatte, Krawatte und dann haben wir noch nicht mal zehn Uhr morgens… also wie man das aushält, das weiß ich auch nicht!”

Maja:
“Wenn sie das so sagen, hört sich das wirklich komisch an…”

Schotty:
“Die Häufigkeit macht’s so absurd.”

Die Häufigkeit an absurden Begegnungen, die Schotty an jedem neuen Tatort erlebt, ist es auch die jede Folge sehenswert macht: Da gibt es zum Beispiel den Ehemann, der erst vor wenigen Stunden eigenhändig zum Witwer wurde. Nachdem er seine ewig nörgelnde Frau mit einer Axt zerstückelt hat, wird ihm allerdings klar, dass er sich auch einfach hätte scheiden lassen können. Oder die rüstige Dame mit politischem Rechtsdrall, die einen bereits bewusstlosen Räuber kurzerhand erschlägt, weil dieser mit Schuhen auf ihr heißgeliebtes Sofa gestiegen ist und es im Anschluss auch noch aufgeschlitzt hat.

Die einzelnen Folgen sind mal mehr, mal weniger realitätsnah: So unterhält sich Schotty durchaus auch mal mit dem Geist der Person, deren Überreste er gerade vom Boden schrubbt. Mit einem ermordeten Psychiater etwa führt er eine hitzige Diskussion darüber, ob man dicke Frauen attraktiv finden kann. Kann Schotty nämlich nicht. Als er dann einer trauernden Patientin des Psychiaters ohne Idealmaße begegnet und sie entgegen seiner Einstellung doch nach einem Abendessen fragt, kassiert er einen Korb. Das versteht Schotty nun auch nicht, die Frau ist dick, die muss doch froh sein um jedes Angebot. Und genau das sagt er ihr dann auch.

Was im ersten Moment nach einem chauvinistischen Trottel klingt, ist vielmehr ein teils naiver aber im Grunde stets ehrlicher und gutherziger Mensch, der mit jeder Folge entweder seine oder die Weltanschauung seiner teils bornierteren Mitmenschen ein Stück erweitert.

Letzteres tut er immer nach dem Motto “Frei Schnauze”. So unbeholfen, politisch inkorrekt und naiv ehrlich Schotty deshalb manchmal daherkommt, ebenso meinungsstark, grundsympathisch und mit dem Herz am richtigen Fleck, zeigt er sich wiederum an anderer Stelle. Genau das und die brillanten und teilweise ans Absurde grenzenden Dialoge machen den Charme der Serie aus.

Wer “Der Tatortreiniger” nachholen will, bis die siebte Staffel erscheint, kann die 25-minütigen Folgen entweder jeden Donnerstag ab 22.15 Uhr bei ONE oder via Netflix und Amazon Prime ansehen. Bei Sky stehen aktuell nur die ersten fünf von sechs Staffeln zur Verfügung.