Quereinsteiger sind die besseren Fondsmanager in ihrer Ex-Branche

Ein Bruch im Lebenslauf kann von Vorteil sein: Fondsmanager, die vorher in einer anderen Branche arbeiteten, erzielen laut einer Studie höhere Renditen.


Sie waren Ingenieure, Ärzte oder Getränke-Hersteller, bevor sie die Branche wechselten: Rund zehn Prozent der Fondsmanager haben vor ihrer Karriere bei Fondsgesellschaften in völlig anderen Berufen gearbeitet. Ob ihnen diese Vorerfahrungen bei der Auswahl gewinnträchtiger Aktien von Nutzen sind, haben nun Forscher der Universitäten Hohenheim in Stuttgart, Köln und der Mason School of Business in den USA untersucht.

Das Ergebnis: Ja, die Quereinsteiger sind offenbar die besseren Fondsmanager – wobei sich dies auf die Branche ihres Hintergrunds beschränkt. „Ein ehemaliger Arzt wählt zum Beispiel Pharma-Aktien mit einer deutlich höheren Performance aus“, sagt die Ökonomin Monika Gehde-Trapp.

Für ihre Studie haben die Forscher Fondsmanager gesucht, die als Einzelmanager für Investmentfonds verantwortlich sind, sodass die erzielten Renditen direkt der Person zuzuordnen sind. Sie durchforsteten das Internet und auch die sozialen Medien nach Lebensläufen dieser Personen und fanden bei rund einem Zehntel einen Bruch im Lebenslauf. In die nähere Betrachtung kamen so 130 Personen, die für einen repräsentativen Querschnitt der US-Aktienfonds tätig sind und zuvor in 30 verschiedenen Branchen gearbeitet haben.

Um zu prüfen, ob etwa der ehemalige Arzt Pharmaaktien besser auswählen kann, haben die Forscher die Probanden nicht mit Kollegen verglichen, die schon immer im Fondmanagement tätig waren. Es könne schließlich auch sein, dass jemand, der solch einen Branchen-Wechsel schaffe, insgesamt hohe individuelle Fähigkeiten besitze, so die Argumentation.

„Stattdessen untersuchten wir, ob er im Pharmabereich besser abschneidet als zum Beispiel bei Automobilaktien“, erklärt Gehde-Trapp. Das sei eindeutig der Fall, so die Expertin. „In anderen Sektoren schneiden die Quereinsteiger genauso gut ab wie die anderen Kollegen.“

Fondsgesellschaft kann Know-how der Quereinsteiger nutzen

Für die Fondsgesellschaften birgt das Chancen, sie können das spezielle Wissen nutzen: „Wir haben festgestellt, dass die Quereinsteiger in einem Team Trendsetter sein können. Denn wenn der Arzt Pharmaaktien kauft oder abstößt, folgen die Kollegen nach einer Weile seinen Empfehlungen“, sagt Gehde-Trapp.


Die Fondsgesellschaft könne demnach durch kluge Neueinstellungen die Gesamtleistung verbessern. „Vor allem bei Sektorfonds kann man sicherlich mit einer Steigerung der Rendite rechnen, wenn ein solcher Spezialist im Team ist.“

Auch für Privatinvestoren hat die Ökonomin einen Tipp parat: „Die Investitionen der Fonds werden veröffentlicht – und dann kann jeder Verbraucher das Portfolio dieser speziellen Fondmanager nachbilden. Wenn man diese Aktien ein Jahr hält, stehen die Chancen für eine gute Performance recht gut.“

Eine Einschränkung gibt es jedoch: „Unsere Analyse bezieht sich ausschließlich auf professionelle Fondsmanager.“ Wenn Privatleute in Branchen investierten, in denen sie noch beruflich tätig seien, falle das Ergebnis meist sehr schlecht aus. Viele glauben offenbar, sich in der eigenen Branche auszukennen, seien aber zu wenig selbstkritisch. „Wenn also der Arzt noch als Arzt arbeitet, dann sollte man lieber nicht auf seine Investment-Tipps bauen“, so das Fazit der Ökonomin.