Queer-gedacht: Diakonie sucht homosexuelle Pflegeeltern

Die Diakonie Düsseldorf wagt den nächsten Schritt: Nachdem im Bundestag 2017 die Ehe für alle beschlossen wurde, rüttelt der evangelische Wohlfahrtsverband jetzt an der althergebrachten Mutter-Vater-Kind-Familienform. Mit einer Kampagne wirbt die Organisation nun gezielt um homosexuelle Paare.

Die Diakonie Düsseldorf wirbt mit einer neuen Kampagne. (Bild-Copyright: JacobJoussen/Twitter)

“Wir haben ein Leben verändert” – das ist seit Montag auf Werbeplakaten, Infoscreens in U-Bahnhöfen, Postkarten und anderen Medien zu lesen. Hinter der Aktion steckt die Diakonie Düsseldorf und die sucht damit nach neuen Pflegeeltern. Denn aktuell stehen lediglich 300 in der Kartei des Wohlfahrtsverbands, und das bei 450 Pflegekindern in Düsseldorf und Umgebung, so die “Westdeutsche Zeitung”. Der Clou: Auf den Postern ist erstmals ein gleichgeschlechtliches Paar zu sehen. Dass sich die konservativen Vorstellungen der Kernfamilie allmählich verändern, macht auch das Motto der Kampagne deutlich. Das lautet schlicht: “Vielfalt willkommen”.


Dieser Slogan wird tatsächlich wörtlich genommen. Auf der hauseigenen Website erklärt der soziale Dienst der evangelischen Kirche, dass nicht nur homosexuelle Paare gesucht werden – auch andere Lebensformen sind erwünscht: “Dabei ist es uns nicht wichtig, ob Sie alleine oder ein Paar sind. Ob Sie in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung leben oder als Mann und Frau verheiratet sind. Vielleicht sind Sie muslimischen Glaubens oder nicht religiös? Wir wollen Vielfalt! Unterschiedliche Kinder und Jugendliche brauchen unterschiedliche Pflegeeltern. Wir schauen mit Ihnen zusammen, was passt.” Wer sich auf das Abenteuer Pflegefamilie einlässt, wird von der Diakonie unterstützt, auch finanziell.

Bei dem Paar auf den Werbeplakaten handelt es sich übrigens um “echte” Pflegepapas. Ben und Michael kümmern sich schon seit anderthalb Jahren um einen fünfjährigen Jungen, den das Jugendamt nach Gewalterfahrungen von seinen Eltern weggeholt hatte. In seiner neuen Regenbogenfamilie scheint sich der Kleine wohlzufühlen. Wie die “Westdeutsche Zeitung” berichtet, spricht er seine Pflegeeltern mit “Papas” an.