Queen Elizabeth: Warum die Queen erschüttert, aber nicht gebrochen ist

Jennifer Renk
·Lesedauer: 6 Min.

Queen Elizabeth feiert am heutigen 21. April 2021 ihren 95. Geburtstag – nur 12 Tage nach dem Tod ihres geliebten Mannes Prinz Philip und nur vier Tage nach seiner Beisetzung. Warum die Queen erschüttert, aber nicht gebrochen ist.

Queen Elizabeth
Queen Elizabeth

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, fällt für viele Hinterbliebene eine Welt zusammen. Eine Situation, mit der nun auch Queen Elizabeth umgehen muss. Es heißt Abschied nehmen von dem Mann, dem sie ihr Herz schenkte, als sie noch eine Prinzessin und erst 13 Jahre alt war. Abschied von dem Mann, der sie so berührte, dass sie danach nie mehr einen anderen angesehen haben soll. Prinz Philip verdanke die Königsfamilie, das Vereinigte Königreich und sie selbst mehr, als man erahnen könne, sagte die Queen in einer Rede anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit 1997. Ihr Mann sei in all den Jahren ihre Stärke und ihr Halt gewesen.

Sorge um Queen Elizabeth

So romantisch die Vorstellung der Ehe des royalen Paares sein mag: Nicht immer ging Prinz Philip den legendären Schritt hinter seiner Frau gerne; fühlte sich in den Anfangsjahren am Hof oft nicht gesehen, gehört und geschätzt. Er war ein Außenseiter. Doch als er am 9. April 2021 nach fast 70 Jahren im Dienste der Krone und tiefer Hingabe an seine Rolle und seine Königin starb, huldigte ihm nicht nur der Palast, sondern die ganze Welt. Ohne jeden Zweifel hat sein Verlust die Queen erschüttert. Wird die Queen sich jetzt zurückziehen und den Thron ihrem Sohn Prinz Charles übergeben? Oder gar etwas von ihrem Lebensmut einbüßen? Manch einem wird die große Queen Victoria in den Sinn kommen. Nach dem Tod ihres Prinzen Albert im Jahr 1861 trug sie bis zu ihrem eigenen Tod 1901 schwarz und zog sich aus Kummer weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.Queen Elizabeth + Prinz Philip - Ehe, Eine Liebe ohne Ende

Dankt Queen Elizabeth mit 95 Jahren ab?

Schon lange vor dem Tod des Herzogs von Edinburgh war von britischen Medien die 95 als "magische Grenze" für Queen Elizabeth ausgerufen worden. Hartnäckig hält sich das Gerücht, die Queen werde mit Erreichen dieses Alters kürzertreten und Prinz Charles als Prinz-Regent einsetzen. Das heißt: Sie bleibt formal im Amt, doch die Amtsgeschäfte übernimmt ihr ältester Sohn.

Man könnte es der Queen nicht verdenken, wenn sie – die am längsten regierende Königin in der Geschichte der britischen Monarchie – den Lebensabend frei von Pflichten verbringen will. Vor allem nach den letzten 18 Monaten. Der Epstein-Skandal um Prinz Andrew Andrew, der Megxit von Prinz Harry und Herzogin Meghan, die Corona-Pandemie, der Tod von Prinz Philip – es ist eine neue Form des "annus horribilis" von 1992.

Doch Elizabeth II. ist aus einem anderen Holz geschnitzt als Queen Victoria.

Die Queen hat eine besondere Gabe

Über die Art der Königin, mit Rückschlägen umzugehen, sagte ihre Cousine Margaret Rhodes einst: "Sie hat die Fähigkeit, ihr Leben zu splitten. Sie mag sich mitten in einer großen, persönlichen Krise befinden, aber sie macht einen Austritt mit ihrem Mann oder diskutiert, wie ihr Sohn eine College-Unterkunft finden kann." Auch nach dem Tod ihres Vaters 1952 und dem Verlust ihrer Schwester und ihrer Mutter – die Frauen starben 2002 im Abstand von wenigen Wochen – machte die Queen weiter, ohne zu straucheln. Seine Mutter sei "unglaublich stoisch", bestätigt ihr Prinz Andrew nach dem Tod von Prinz Philip in einem kurzen Gespräch mit Reportern. Seine Schwägerin Gräfin Sophie ließ wissen, dass die Königin "großartig" sei und erst an andere denke, bevor sie sich um sich selbst kümmere.Ein Leben für die Krone Queen Elizabeth (28079)

Die royale Pflicht steht über allem

Das bewies die Queen am 13. April, nur vier Tage nach dem Tod von Prinz Philip. Unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit nahm sie zwei Termine wahr, um einen alten Mitarbeiter zu verabschieden und einen neuen zu begrüßen. Am 11. Mai wird sie bei der Parlamentseröffnung in London erwartet, um die Queen's Speech zu verlesen.

Ihr ganzes Leben, solle es kurz oder lang werden, so versprach die damalige Prinzessin einst an ihrem 21. Geburtstag im April 1947, wolle sie ihrem Volk widmen. Und sie hält Wort: Inzwischen steuert Queen Elizabeth das Königreich und das Haus Windsor seit fast 70 Jahren mit unvergleichlicher Beständigkeit durch Höhen und Tiefen. Über 80 Prozent der Bevölkerung im Vereinigten Königreich haben nie jemand anderem auf dem Thron erlebt als sie. Die heutige Queen ist mehr als eine Monarchin, sie ist eine Institution. Nicht für die Briten, auch für viele andere Menschen weltweit.

Abdanken? Kommt nicht in Frage. Nächstes Jahr, das gab die Regierung schon im Hebst 2020 bekannt, wird das 70. Thronjubiläum groß gefeiert. Dennoch: Die Queen hat mit der Zeit einige Aufgaben an ihren Sohn Charles und ihren Enkel Prinz William delegiert. Sie wolle, so sagen es Insider, einen weichen Übergang nach ihrem Tod organisieren.

Neben ihrem Pflichtbewusstsein gibt es noch etwas anderes, dass der Königin durch schwere Zeiten hilft.

Ihr Glaube gibt ihr Kraft

Die Queen ist nicht nur von Amts wegen, als Oberhaupt der Englischen Kirche, mit Gott verbunden. Sie hat auch aus sich selbst heraus einen tiefen Glauben. In ihrer Weihnachtsansprache 2002 sagte sie: "Ich weiß, wie sehr ich mich auf meinen Glauben verlasse[n kann], um mich durch die guten und die schlechten Zeiten zu führen. Jeder Tag ist ein neuer Anfang. Ich weiß, dass der einzige Weg, mein Leben zu leben, darin besteht, zu versuchen, das Richtige zu tun, auf lange Sicht zu denken, mein Bestes in allem zu geben, was der Tag bringt, und mein Vertrauen auf Gott zu setzen."

Der 95. Geburtstag der Queen wird ein anderer sein als zuvor

Der 21. April 2021 ist der erste Geburtstag seit mindestens 73 Jahren, an dem Prinz Philip nicht an der Seite seiner Lilibet ist. Weil sich die Queen noch bis Ende der Woche in ihrer offiziellen Trauerzeit befindet, wird es keine Salutschüsse, kein neues Porträt und kein Glockengeläut der Westminster Abbey geben. Am Mittag meldete sich die Queen überraschend zu Wort – zum ersten Mal nach Prinz Philips tot. "Meine Familie und ich möchten uns bei Ihnen für die Unterstützung und Freundlichkeit bedanken, die uns in den letzten Tagen entgegengebracht wurde. Wir waren tief berührt und werden weiterhin daran erinnert, dass Philip in seinem ganzen Leben so außergewöhnliche Auswirkungen auf unzählige Menschen hatte", schreibt sie und bedankt sich außerdem für die Glückwünsche zum Geburtstag.

Die Besucher bleiben wegen der Coronapandemie überschaubar. Wie die britische Medien berichten, werden Gräfin Sophie und Prinz Andrew als Gäste auf Schloss Windsor erwartet. In Gedanken werden heute jedoch Millionen Briten und Menschen auf der ganzen Welt Elizabeth II. beistehen und ihr alles Gute zum Geburtstag wünschen – und ein ganz besonderer Mensch, da sind sich viele Fans sicher, wird von oben liebevoll auf sie herabblicken.

Happy Birthday, Your Majesty!