US-Handelspolitik droht Aktienmarkt weiter zu belasten

Die Geschäftszahlen einer Reihe von deutschen Schwergewichten stehen in dieser Woche im Fokus der Anleger. Im Hintergrund schwelt der Handelskonflikt weiter.


Die Ferienzeit geht in einigen Bundesländern zu Ende und damit sollten auch die Umsätze an den Börsen wieder etwas anziehen. Allerdings dürfte es schwer werden für den Deutschen Aktienindex (Dax) in der kommenden Woche deutlich nach oben auszubrechen. Eher könnte es zu einem Wechselbad der Gefühle kommen, weil viele Großkonzerne ihre Quartalsbilanzen vorlegen.

Wahrscheinlich ist auch, dass die Börsen abhängig bleiben von den geopolitischen Entwicklungen in der Handelspolitik zwischen China und den USA sowie den Spannungen zwischen Washington und Ankara.

Auf Unternehmensebene sind die Experten jedenfalls bisher zufrieden. Die US-Berichtssaison zum zweiten Quartal sei bereits weit fortgeschritten und zeige bisher eine „großartige Entwicklung“, schreiben die Analysten der DZ Bank. So hätten die US-Konzerne die Gewinne um über 20 Prozent steigern und die ohnehin hohen Markterwartungen übertreffen können – Höhepunkt waren dabei sicher die Apple-Zahlen und die Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar beim Smartphone-Hersteller.


Auch in Europa befinden sich die Unternehmen mitten in der Quartalsberichterstattung. Im Durchschnitt zeigt sich in Europa bisher ein Gewinnwachstum von fünf bis sechs Prozent. Die präsentierten Zahlen liegen insgesamt leicht über den Erwartungen und auch der Ausblick ist oftmals positiv. Dies stellt eine solide Grundlage für die Aktien dar.

Allerdings zeigen sich in den USA erste negative Effekte der Zollpolitik. So beklagen Autohersteller und Getränkeunternehmen deutlich höhere Preise für Stahl und Aluminium aufgrund der Importzölle. Auch die US-Konsumenten spüren langsam die Auswirkungen. Der Preis für Waschmaschinen, die als eines der ersten Produkte mit Zöllen belegt wurden, hat sich im ersten Quartal um fast 20 Prozent verteuert.

Obwohl die aktuelle Bilanzsaison also bisher hervorragende Zahlen hervorbringt – ausgelöst unter anderem durch Einmaleffekte wie die Steuerreform – scheine auch in den USA nicht alles Gold zu sein, was glänzt, meinen die DZ-Bank-Analysten. Basierend auf dem anhaltend starken Gewinnwachstum bleiben sie aber unter dem Strich positiv für die Aktienmärkte.

Das Kursziel für den Dax per Mitte 2019 liegt unverändert bei 14.200 Punkten. Am Freitag hatte sich der deutsche Leitindex leicht von seinen Vortagverlusten erholen können und schloss mit 12.615,76 um 0,55 Prozent höher.


Chart-technisch sei der Dax unter eine Reihe wichtiger Unterstützungen abgerutscht, heißt es im jüngsten Research der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zu nennen seien beispielsweise die 55-, 100- und 200-Tagelinien. Während sich das Chartbild auf Tagesbasis bereits deutlich erkennbar eingetrübt habe, drohe Ähnliches auch auf Wochenbasis, insbesondere wenn die Marke von 12.585 Zählern auf Schlusskursbasis unterboten werde.

Morgenluft wittern einige Experten auch wieder für die Technologieaktien. Nachdem diese für viele Monate die Liebling aller Marktteilnehmer waren, zeigte der amerikanische Nasdaq-Aktienindex zuletzt leichte Korrekturbewegungen, ausgelöst durch negative Schlagzeilen über Facebook und Twitter. Jetzt scheine sich der Index wieder zu stabilisieren und könnte die kurzzeitige Abwärtsbewegung überwinden, meint man bei der Weberbank.

Impulse könnten dem Dax die in dieser Woche anstehenden Quartalszahlen aus Deutschland liefern – vor allem die Bilanzen der Commerzbank, der Deutschen Post, des Onlinehändlers Zalando und der Munich Re werden mit Spannung erwartet, ebenso die Aussagen von Adidas.