QuantumScape sammelt 208 Mio. Dollar ein: Kommt Volkswagens Wunderbatterie jetzt schneller?

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
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Die Aktie von QuantumScape (WKN: A2QJX9) wurde von den Anlegern begeistert begrüßt. Von rund 12 US-Dollar Anfang November schoss der Kurs im Dezember auf sage und schreibe 132 US-Dollar hoch. Da verwundert es nicht, dass einige der Investoren die Gunst der Stunde nutzen möchten, um Kasse zu machen. Doch was bedeutet der Schritt für den großen strategischen Partner Volkswagen (WKN: 766403)?

Details zur Kapitalerhöhung von QuantumScape

Die Marke von 132 Dollar ist nun erst einmal außer Reichweite. Auf die Überhitzung des Kurses folgte die kalte Dusche und die Ankündigung einer Kapitalerhöhung gab ihm den Rest. Am 4. Januar schloss der Kurs bei unter 50 Dollar. Die Gewinne vom Dezember sind damit futsch, aber eine Kursverfünffachung ist es immer noch fast für diejenigen, die rechtzeitig in das zugehörige Akquisitionsvehikel (SPAC) investiert haben.

Nun suchen also bis zu 306 Millionen Anteilsscheine einen neuen Eigentümer, davon 254 Millionen aus dem Verkauf von bestehenden Investoren, darunter auch Volkswagen, die mit fast 71 Millionen Anteilen dabei ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass VW komplett aussteigen wird.

Zum einen wird die enge Partnerschaft über ein 50:50-Joint-Venture bestehen bleiben und zum anderen steht es allen Investoren frei, nur einen Teil ihrer Aktien zu verkaufen oder sogar komplett investiert zu bleiben. Der Prozess dient folglich primär dazu, den Großaktionären eine koordinierte Ausstiegsmöglichkeit zu bieten.

QuantumScape selbst partizipiert nur an den neuen Anteilen, die aufgrund von verschiedenen Optionsprogramme (Warrants) ausgegeben werden. Rund 209 Mio. Dollar soll über die Ausübung der Warrants zum Preis von 11,50 Dollar in die Kassen gespült werden.

Wofür genau das Geld eingesetzt werden soll, wollte das Management nicht im Detail sagen. Genannt wurden lediglich „allgemeine Unternehmenszwecke“. Schaut man sich jedoch die Verluste in dreistelliger Millionenhöhe an, die QuantumScape im abgelaufenen Jahr angehäuft hat, dann wird klar, warum das Unternehmen die Mittel gut gebrauchen kann.

Wie es mit QuantumScape nun weitergeht

Ankündigungen von der nächsten Wunderbatterie gibt es praktisch jeden Monat oder sogar wöchentlich. Doch was im Labor wunderbar funktioniert, endet im Realeinsatz häufig im Desaster. Lithium ist ein leicht entflammbares Material, das unter wechselnden Umgebungsbedingungen beherrscht werden will. Keramikelemente wiederum sind spröde und degradieren bei Erschütterungen schnell.

Manchmal bringt eine bestimmte Zellchemie Topwerte mit einer einzigen Lage, aber wenn es dann um das Stapeln geht, dann versagt der Ansatz. QuantumScape beherrscht derzeit nur ein Single-Layer-Design und es gibt noch mehr Hürden. Unheimlich viele Parameter und Nebenbedingungen müssen bestmöglich in Einklang gebracht werden. Sicherheit, Zyklenfestigkeit, Energiedichte, Leistungsdichte, Gewicht, Robustheit und natürlich Kosten können nicht alle gleichzeitig optimiert werden.

Wer erinnert sich noch an den Mark Zero von Piëch Automotive? Zwar arbeitet das Management offenbar weiterhin an seinem Plan, den elektrischen Luxussportwagen zur Marktreife zu führen. Aber der zugehörige Batteriehersteller DESTEN hat offenbar zunächst auf stationäre Batteriesysteme umgesattelt. So ähnlich läuft es regelmäßig.

Auch bei QuantumScape gibt es trotz der vielversprechenden Testergebnisse, die im Dezember präsentiert wurden, noch eine Menge zu erforschen und entwickeln. Bislang ist die Erwartung, dass eine Serienfertigung für automobile Zwecke frühestens 2025 anlaufen wird, wobei eine milliardenschwere Massenproduktion sogar erst für 2028 geplant ist.

Was Volkswagen davon hat

Es ist vorgesehen, dass Volkswagen von Anfang an zu den Hauptabnehmern der neuartigen Zellen gehört. Auf die Produktion der ersten geplanten Pilotanlage mit 1 Gigawattstunde Kapazität soll VW als Joint-Venture-Partner zunächst exklusiven Zugriff haben. Vor allem die überragende volumetrische Leistungsdichte hat das Potenzial, sich zu einem echten Wettbewerbsvorteil zu entwickeln.

Allerdings ist QuantumScape längst nicht das einzige Unternehmen, das das Rennen um die übernächste Batteriegeneration gewinnen will. Auch Amprius hat sich zum Beispiel 2020 aus der Deckung gewagt und präsentiert ähnlich starke Laborwerte. StoreDot aus Israel wiederum behauptet, dass seine Nanotechnologie ultraschnelles Aufladen ermöglicht. Daimler (WKN: 710000) und andere testen die Zellen. Mindestens ein Dutzend weiterer Spezialisten befindet sich aktuell mit potenziellen Superbatterien in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase.

Umso wichtiger ist deshalb für QuantumScape, dass sie das Tempo hochhält. Nur so könnte es gelingen, sich vom Feld der Rivalen abzusetzen. Die neu eingeworbenen Geldmittel sollten dabei helfen, alle Ressourcen bereitzustellen, um die besten Forscher an sich zu binden und möglicherweise die Roadmap zeitlich vorzuziehen. Im besten Fall könnte die „Wunderbatterie“ schon für das Modelljahr 2025 bereit sein. Beispielsweise will Volkswagens Luxusmarke Bentley 2025 ihr erstes Elektromodell bringen.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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