Qualitätsmängel könnten die nächste Sorge von BMW- und Daimler-Aktionären werden

Marlon Bonazzi, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Die drei großen deutschen Autohersteller BMW (WKN:519000), Daimler (WKN:710000) und VW hangeln sich aktuell von einem Skandal zum nächsten, oder zumindest von einem Kapitel des Dieselskandals zum nächsten.

Bisher war allerdings auf einen wichtigen anderen Aspekt Verlass, was sicherlich einige Aktionäre beruhigt hat. Selbst diese eine vielgeschätzte Eigenschaft deutscher Autos muss nun aber in Zweifel gezogen werden.

Die Stärke der deutschen Autoindustrie war bisher eindeutig

Bei dem anhaltenden Skandal konnten sich Aktionäre von BMW, Daimler und VW bisher wenigstens einer beruhigenden Tatsache gewiss sein, nämlich dass die grundlegende Qualität und Attraktivität von deutschen Autos erhalten blieb.

Trotz Dieselskandal war VW in den letzten Jahren der größte Autohersteller der Welt und bleibt damit vor dem Erzrivalen Toyota. BMW und Daimler liefern sich zwar untereinander ein erbittertes Wettrennen um die Position als größter Premiumhersteller, aber ein weiterer ernstzunehmender Konkurrent um die Spitzenposition ist nicht in Sicht. Der Mercedes-Stern und das bayerisch blau-weiße BMW-Logo haben einen so hohen Wiedererkennungswert, dass beide Marken zu den wertvollsten der Welt gehören.

Als Aktionär konnten man bisher also die hitzigen Diskussionen um Abgasmanipulationen vom Rande verfolgen, und sich durch die weiterhin sehr guten Absatzzahlen und Gewinne beruhigen lassen. Es könnte aber sein, dass die deutsche Autowirtschaft gerade ihren Vorsprung verliert. Ein neuer Bericht verheißt nichts Gutes.

Das bisher stärkste Gerüst der Festung gerät ins Wanken

Neue Zahlen des amerikanischen Center of Automotive Management verheißen nichts Gutes für die Qualität der Autos von deutschen Herstellern, besonders die von BMW. Nur in den USA wird genau festgehalten, wie häufig Hersteller ihre Autos zurückrufen lassen, um Mängel nachzubessern, womit man für den dortigen Markt einen besonders guten Vergleich hat.

Man setzt die Zahl der Rückrufe mit einem Prozentwert in Relation zu der Anzahl der Neuzulassungen innerhalb eines Jahres und kam dabei für letztes Jahr auf folgende Werte:

BMW 588 %
Mazda 407 %
Mitsubishi Motors 405 %
Hyundai 324 %
Volkswagen 294 %
Mercedes 287 %
Fiat Chrysler 235 %
Honda 184 %
Ford 115 %
Nissan 73 %

Quelle: Center of Automotive Management; Prozentangabe, um wie viel höher die Zahl der zurückgerufenen Autos im Vergleich zu den Neuzulassungen war

Man sieht, dass deutsche Hersteller es nicht nur unter die Autobauer mit den höchsten Rückrufquoten schaffen, sondern BMW absoluter Spitzenreiter ist und auch Daimler und Volkswagen (was in diesem Fall die Untermarken Audi und Porsche beinhaltet) hohe Rückrufquoten vorweisen. Alle liegen deutlich über dem Gesamtdurchschnitt in Höhe von 147 %.

Besonders besorgniserregend ist, dass sich die deutschen Hersteller in der Tendenz der letzten Jahre eher verschlechtern. Das ist ein großes Problem, schließlich verlangen besonders die Premiumhersteller BMW und Daimler einen deutlichen Aufpreis für ihre Autos. Den kann man langfristig nur rechtfertigen, wenn sie auch qualitativ hochwertige Autos produzieren.

Ich habe mich schon im letzten Jahr darüber gewundert, mit welcher Selbstsicherheit die deutschen Hersteller dicke Preiszettel an ihre geplanten Elektromodelle hängen wollen. Wer hohe Preise fordert, der muss auch liefern. Die Geschichte führender Industriehersteller ist voll von Beispielen, bei denen Unternehmen sich zu lange als uneinholbar betrachteten.

Bevor man nun denkt, dass es mit BMW, Daimler und VW mit Sicherheit den Bach runtergeht, sollte man die neue Rückrufstatistik in den richtigen Kontext setzen. Absolut eindeutig ist der Trend nicht, schließlich spielen viele Faktoren bei Rückrufen eine Rolle.

Ausländische Hersteller werden in den USA gerne besonders genau unter die Lupe genommen, und es kann durchaus sein, dass BMW, Daimler und VW vor allem vorbeugen wollen. Außerdem wollen sie vermutlich ihren hohen Ansprüchen gerecht werden und rufen deshalb schneller als andere Hersteller Autos zurück.

Insgesamt produzieren die deutschen Hersteller sicherlich noch gute Autos, die relativ hochwertig sind und sich gut fahren lassen. Es gibt allerdings tatsächlich Anzeichen, dass nicht mehr ganz so sehr Verlass auf die Qualität deutscher Autos ist, wie das in der Vergangenheit der Fall war. Vor allem Aktionäre von BMW und Daimler sollten diesen Trend im Auge behalten, denn nur wenn sich die Premiumhersteller hohe Preise erlauben können, werden auch die Gewinne weiterhin sprudeln.

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Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Ford. The Motley Fool empfiehlt BMW und Daimler.

Motley Fool Deutschland 2018