Putschversuch in Venezuela: “Kein Auge zudrücken”

Nach einem offenbar gescheiterten Putschversuch hat in Venezuela die Jagd auf die mutmaßlichen Täter begonnen. Mehrere Bewaffnete hatten am Sonntag einen Militärkomplex in der venezolanischen Stadt Valencia angegriffen. Zwei Angreifer wurden angeblich getötet, mehrere festgenommen, und einige sollen schwer bewaffnet auf der Flucht sein.

Die regierenden Sozialisten um Staatspräsident Nicolas Maduro sprechen von einem Terrorangriff. Demnach soll es sich bei den Angreifern um abtrünnige Soldaten handeln.

“Ich möchte für die Beteiligten an dieser Terrorattacke die Höchststrafe”, so Präsident Nicolás Maduro. “Wir werden kein Auge zudrücken, weder bei Zivilisten noch Deserteuren.”

Die Stadt Valencia, in der der Angriff auf das Militär stattfand

Auch, wenn für die Regierung die Schuldigen feststehen: Beobachtern gibt der Angriff in Valencia Rätsel auf. Immerhin deutet auch ein Bekennervideo darauf hin, dass abtrünnige Soldaten die Verantwortung tragen. In dem Video sieht man einen bekannten Ex-Soldaten namens Juan Caguaripano. Er werde von den USA protegiert und habe sich zuletzt in Miami, Panama und Kolumbien aufgehalten, so Maduro.

Caguaripano war 2014 untergetaucht, weil er damals schon seinen Widerstand gegen Maduro erklärt hatte. Umringt von uniformierten Männern sagte er: “Das ist kein Staatsstreich, sondern eine Aktion von Militärs und Zivilisten, um die verfassungsgemäße Ordnung wiederherzustellen und um das Land vor der totalen Zerstörung zu bewahren.”

Der Regierung zufolge ist die Militärführung weiterhin dem Präsidenten treu. Bei der Opposition zweifelt man an der Treue der Soldaten. Oppositionsführer Henrique Capriles nutzte die Gelegenheit zur Gegenpropaganda: “Wir glauben nicht daran, dass alle Militärs den Darstellungen der Militärführung entsprechen. Denn alle Venezolaner, zumindest die meisten, haben heutzutage die selben Probleme.”

Auf den Straßen von Valencia stießen Demonstranten mit regierungstreuen Soldaten zusammen. Unterdessen wird auch der Druck von außen auf die venezolanische Regierung größer. Mehrere Länder drohen wegen der Staatskrise mit Sanktionen. Unter anderem die USA, die einen Importstopp für venezolanisches Erdöl prüfen.