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Putins Endspiel heißt Russland gegen den Westen – und der Gewinner dabei ist China

 - Copyright: Getty Images
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Russlands Überfall auf die Ukraine ist dem Weltmacht-Denken Wladimir Putins entsprungen. Doch mit dem Überfall hat Putin Russlands Status als Weltmacht entscheidend geschwächt. Das ist das Ergebnis einer Analyse des Geopolitical Intelligence Services (GIS). Den Krieg gegen die Ukraine sieht Putin auch als Konfrontation Russlands mit dem Westen. Der große Gewinner dieses Spiels heiße: China.

Kurz bevor Putin den Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022 begann, hatte er sich am Rande der Olympischen Spiele in Peking mit Chinas Präsidenten Xi Jinping auf Augenhöhe getroffen. Die beiden Autokraten sprachen von einer „grenzenlosen Freundschaft“ ihrer Länder.

Seither haben sich die Beziehungen nach Ansicht des GIS-Experten und Ökonomen Stefan Hedlund komplett zu Ungunsten Russlands entwickelt. Seit Beginn des Krieges bedient sich China mehr und mehr an Russlands Rohstoffen und muss dafür nur wenig Gegenleistung erbringen.

Chinas Position ist so stark, dass Peking nicht einmal mehr alte Zusagen an Moskau erfüllen muss. Bei dem großen Investitionsprogramm der neuen Seidenstraße („New Belt and Road Initiative“) hat China weniger in Russland investiert, als Moskau sich versprochen habe. Auch das Versprechen, sich am Bau einer Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke zwischen Moskau und Kasan zu beteiligen, hat China nicht erfüllt.

Und China lasse Russland das veränderte Gleichgewicht auch spüren. So richte Peking am 18. Mai den China-Zentralasien-Gipfel aus – und zwar ohne Russland.

China läuft Russland in Zentralasien den Rang ab

Vor allem in der zentralasiatischen Region verliert Russland Macht und Einfluss an China. „Die Implosion Russlands als Großmacht hat weitreichende Auswirkungen auf Zentralasien“, sagt Hedlund. „Lange Zeit gingen wir aus, dass es so etwas wie eine still vereinbarte Rollenteilung zwischen Moskau und Peking gibt: Russland sorgt für Sicherheit, China für Investitionen und die Wirtschaftsförderung. Wenn diese Vereinbarung jemals bestand, dann ist sie jetzt nicht mehr gültig“, sagt Hedlund.

Die bewaffnete Intervention Russlands in Kasachstan im Jahr 2022 könnte Moskaus „letzter Versuch“ in Zentralasien gewesen sein, fügt er hinzu. Gemeinsame Militärübungen mit anderen Ländern der Region seien abgesagt worden.

Nicht nur militärisch und strategisch, auch wirtschaftlich nehme Russlands Bedeutung in der Region ab. Russlands Wirtschaft stehe derart unter Druck, dass die künftige Rolle der Regierung in Moskau im regionalen Handel in der Zukunft völlig offen sei.

Die größten Volkswirtschaften der Welt. Aufsteiger China.
Die größten Volkswirtschaften der Welt. Aufsteiger China.

„Das Hauptinteresse für die Regierung in Peking ist, inwieweit China aus dem russischen Abstieg Kapital schlagen kann“, sagte Hedlund.

China macht ohnehin Druck. Das Land hat seine Investitionen in Zentralasien bereits bis Ende 2020 auf rund 40 Milliarden US-Dollar erhöht. Der chinesische Handel mit der Region schoss 2022 um 40 Prozent ein Volumen von 70 Milliarden Dollar in die Höhe.

Der zweite Gewinner in Zentralasien könnte die Türkei sein, während die Rolle Russlands weiter schrumpfen werde, erwartet Hedlund. „Da sich Russland aus Zentralasien zurückzieht, werden die Türkei und China die aktivsten Akteure dort sein. In einem solchen Wettbewerb wird Peking durch die brachiale Stärke der chinesischen Wirtschaft einen Vorteil haben, mit dem Ankaras Wirtschaft nicht mithalten kann.“

Putins Krieg bremst Russlands Wirtschaft aus

Russland werde insgesamt von den Sanktionen des Westens und der weitgehenden Isolation für lange Zeit daran gehindert, wirtschaftlich wirklich voranzukommen, schreibt auch Alexandra Prokopenko, von der Forschungseinrichtung Carnegie Russia Eurasia Center.

Russlands Versuche, mit Technologie und Diversifizierung unabhängiger von Exporten aus dem Energiesektor zu werden, seien bis auf Weiteres gestoppt. Jetzt greife Moskau zu Kapitalkontrollen, stufe Länder als befreundet oder feindlich ein, werde abhängig von Chinas Währung Yuan und militarisiere seine Haushaltsausgaben. Russlands extrem hohe Ausgaben für die Militarisierung werde die Modernisierung der Wirtschaft zurückhalten, sagt sie.

Auch Prokopenko sieht Russland seit Beginn des Ukraine-Krieges auf dem Weg in die Abhängigkeit von China. Russlands verbilligte Energieexporte nach China und Indien schwäche auf die Einnahmen der Regierung im Kreml.

Ob Hightech- oder Konsumgütern, Russland sei fast überall immer stärker auf China angewiesen. Und die Zahlungen würden größtenteils in Yuan statt in Rubel abgewickelt, so Prokopenko.

Die von Moskau viel gepriesene Loslösung der russischen Wirtschaft vom US-Dollar „wird ganz simpel zu ihrer Yuanisierung“, sagt sie.

Langfristig würden die westlichen Sanktionen Russlands Wirtschaft dauerhaft weniger effizient machen. Russland werde anfällig für Störungen des Öl- und Gasmarktes bleiben, fügt Prokopenko hinzu.

Russland sei bereits jetzt Chinas zweitgrößter Öllieferant und viertgrößter Lieferant von Flüssiggas geworden. Auch Prokopenko sieht darin aber eine ungleiche Beziehung.

China: Im Zweifel für Geschäfte mit dem Westen

"Die Sanktionen haben auch Russlands Zugang zu Turbinen und Technologien für den Bau moderner Tanker, Lokomotiven, Autos, Kommunikationsnetze der nächsten Generation und anderer High-Tech-Produkte eingeschränkt und Russland von dem globalen Trend zu künstlicher Intelligenz und Quantencomputern ausgeschlossen", schreibt Prokopenko.

Globale chinesische Unternehmen, die auch Geschäfte im Westen machen, wie etwa Huawei, seien aus Angst vor weiteren Sanktionen weniger geneigt, in Russland tätig zu werden. Gerade erst hatte die EU mit einem bisherigen Tabu gebrochen und Sanktionen auch gegen Unternehmen aus Drittstaaten angekündigt, die Russland unterstützen.

„Die dauerhafte Konzentration auf die Rohstoffpreise und die Zunahme der Militärausgaben auf etwa ein Drittel des Haushalts bedeutet, dass die wirtschaftliche Entwicklung Russlands auf lange Zeit eingefroren sein wird“, sagt Prokopenko. Und weiter: „Selbst wenn die aktive Phase des Krieges vorbei ist, werden die Militärausgaben wahrscheinlich nicht sinken, solange irgendeine Form des Putinismus fortbesteht.“

Dieser Text fasst zwei Artikel zusammen, die zuerst bei Business Insider in den USA erschienen sind. Die Originale findet ihr hier:
Russia's economy will be frozen for a long time as it relies more on China and 'yuanization,' think tank says / The 'implosion of Russia as a great power' has opened the door for China to capitalize on Moscow's weakening economy

Die Sanktionen gegen Russland wegen seiner Aggression gegen die Ukraine haben den Rückhalt von Präsident Wladimir Putin eher gestärkt, sagen Forscher.
Die Sanktionen gegen Russland wegen seiner Aggression gegen die Ukraine haben den Rückhalt von Präsident Wladimir Putin eher gestärkt, sagen Forscher.