Putin warnt vor Ausweitung des Nordkorea-Konflikts

Putin warnt vor Ausweitung des Nordkorea-Konflikts

Der russische Präsident Wladimir Putin hat vor einer Ausweitung des Nordkorea-Konflikts gewarnt. Militärischer Druck sei eine "Sackgasse", erklärte Putin am Freitag in Moskau. Nur durch Dialog könne "ein Konflikt großen Ausmaßes" in der Region vermieden werden. Nach Einschätzung des französischen Außenministers Jean-Yves Le Drian könnte Nordkorea schon in wenigen Monaten die Voraussetzungen für einen Atomwaffenangriff auf die USA oder Europa haben.

"Provokationen, Druck und militärische und beleidigende Rhetorik sind eine Sackgasse", warnte Putin. Es sei "abwegig und sinnlos" zu hoffen, dass Nordkorea nur unter Druck seine Raketentests einstellen werde. Er reagierte damit auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der am Mittwoch auf Twitter geschrieben hatte: "Reden ist nicht die Lösung". In den vergangenen Wochen hatte Trump zudem mehrfach mit einem militärischen Eingreifen gedroht.

Putin äußerte sich vor einem Gipfel der vier großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC), der am Sonntag im chinesischen Xiamen beginnt. Moskau und Peking schlagen zur Beilegung des Konflikts vor, dass die USA und Südkorea künftig auf gemeinsame Militärmanöver verzichten und Nordkorea im Gegenzug seine Raketentests einstellt.

Der französische Verteidigungsminister Le Drian nannte die Krise im Radiosender RTL "extrem ernst". Nordkorea setze derzeit alles daran, atomar bestückte Raketen zur Einsatzbereitschaft zu bringen. "Das wird in einigen Monaten Realität sein", sagte Le Drian. Wenn das Land erst in der Lage sei, die USA und Europa mit Nuklearwaffen zu treffen, werde die Lage "explosiv". Deshalb müsse Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Am Dienstag hatte Nordkorea eine Mittelstreckenrakete über Japan hinweg in den Pazifik gefeuert. Die USA und Südkorea hatten daraufhin zwei Tage später Kampfflugzeuge über der koreanischen Halbinsel aufsteigen lassen und damit militärische Stärke demonstriert. Zugleich erneuerten Washington und seine Verbündeten Großbritannien und Japan die Forderung nach verschärften Sanktionen gegen Pjöngjang. Die UN-Vetomächte Russland und China lehnen dies jedoch ab.

US-Bürgern sind Reisen nach Nordkorea seit Freitag untersagt. Das Außenministerium verhängte das Verbot nach dem Tod des US-Studenten Otto Warmbier. Dieser war nach einer Nordkorea-Reise im März 2016 wegen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden, kurz danach ins Koma gefallen und wenige Tage vor seinem Tod "aus humanitären Gründen" freigelassen worden.

Kurz nach seiner Rückkehr in die USA starb Warmbier. Nach Überzeugung seiner Familie erlag er den Folgen seiner "schrecklichen und qualvollen Behandlung" in Nordkorea.