Putin zu Gesprächen über Syrien-Konflikt und Waffendeal in Ankara erwartet

Vor Beginn der Gespräche des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Ankara hat der Kreml die enge Zusammenarbeit beider Länder betont. "Russland und die Türkei kooperieren sehr eng miteinander", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag. Putin wird am Abend zu Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan über den Syrien-Konflikt und einen umstrittenen Waffendeal erwartet.

Am späteren Abend wollen Putin und Erdogan vor die Presse treten. Bei ihrem Treffen dürfte auch das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak auf der Agenda stehen, das in der Türkei die Angst vor einem unabhängigen Kurdenstaat geweckt hat.

Moskau und Ankara haben seit der Beilegung eines Streits um den Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs an der türkisch-syrischen Grenze im Juni 2016 ihre Zusammenarbeit in Syrien verstärkt, auch wenn sie in dem Konflikt weiter auf entgegengesetzten Seiten stehen. Während Russland seit September 2015 für Machthaber Baschar al-Assad Luftangriffe fliegt, unterstützt die Türkei die Rebellen.

Allerdings nahm Ankara im Dezember 2016 hin, dass die syrische Armee mit Unterstützung Russlands die Rebellenhochburg Aleppo zurückeroberte. Zusammen mit dem Iran vermittelten die Türkei und Russland seitdem mehrere lokale Waffenruhen in sogenannten Deeskalationszonen.

Zum Unmut ihrer Nato-Partner hat die Türkei kürzlich ein Abkommen zum Kauf von russischen Flugabwehrraketen vom Typ S-400 unterzeichnet. Zwar hielt sich die Nato mit direkter Kritik zurück, doch betonte sie die Wichtigkeit der Kompatibilität von Waffensystemen in der Allianz. Viele Bündnismitglieder befürchten, dass der Deal eine Hinwendung der Türkei nach Russland signalisiert.

Timur Achmetow vom russischen Rat für Internationale Angelegenheiten sagt aber, beide würden den Waffendeal für "ihre eigenen politischen Interessen nutzen". Auch könnte sich die Lieferung der S-400 noch bis 2021 verzögern. Andere Experten weisen darauf hin, dass trotz der jüngsten Annäherung das russisch-türkische Verhältnis noch weit entfernt von einer strategischen Partnerschaft sei.

Ihre Differenzen zeigen sich auch hinsichtlich des Referendums im Nordirak, bei dem die Kurden am Montag fast geschlossen für die Unabhängigkeit stimmten. Während die Türkei den Kurden für den Fall einer Abspaltung vom Irak mit scharfen Sanktionen drohte, erklärte Moskau, es betrachte das "nationale Streben der Kurden mit Respekt", auch wenn es die territoriale Integrität des Irak unterstütze.